Full text : Feierabend-Stunden

283

„Der Zufall hat uns sehr begünstigt“, meinte Jakob
Hillmann, „mehr noch die Furcht und der Aberglauben der
Banditen; wenn der Schlechte vor nichts erzittert, wenn er
mit Spott und Verachtung vernichtend über Alles herfällt,
was dem besseren Menschen heilig ist, in der Stille der
Nacht und wenn ihm die Schauer des Todes in der Ein—
samkeit entgegenwehen, da zieht sich sein feiges Herz krampf⸗
haft zusammen und im Galgenhumor und Fluchausbrüchen
strebt er seine Furcht zu verbergen.“
„Das haben wir heute Nacht recht deutlich gesehen“,
bestätigte der Küfer; dann, in der Nähe der Stadt angekommen,
trennten sich die Männer, um, ohne Verdacht zu erregen,
jeder einzeln heimzukehren Doch Keiner schied, ohne dem
unverhofften Genossen, dem muthigen Fröhlich noch einmal
herzlich die Hand zu drücken.
Nur Einer von ihnen suchte die Ruhe nicht auf: Fritz
Born. Um sich gegen die Einflüsse der ausgestandenen Kälte
und Feuchtigkeit einigermaßen zu schützen, zündete er den
schon bereit gehaltenen Ofen an, und als das Feuer wieder
lustig prasselte, labte er sich an einem kräftigen Trunk Wein
und fing an, seine Sachen zum Schreiben zu ordnen.
Gedankenvoll sah er vor sich nieder; mehrmals tauchte er
die Feder in die Dinte, zum Schreiben jedoch konnte er
nicht kommen. War es die Aufregung, die er kurz vorher
gehabt, die ihn verhinderte, seine Gedanken zu ordnen? Oder
waren es die Mittheilungen, die ihm Jakob Hillmann gemacht
hatte und in welchen der in Ungnade gefallene Präsident
Hammerer von Hammerstein nicht die unbedeutendste Rolle
spielte. Wer kann es wissen.
Nur so viel ist sicher, daß der junge Mann oftmals mit
raschen Schritten sein Zimmer maß, sich dann wieder, wie
ermüdet, in seinen Ruhesessel warf und eine Unruhe und
Unentschlossenheit an den Tag legte, die man sonst an der
leichtlebigen Künstlernatur nicht gewohnt gewesen war. Endlich
schien er einen Entschluß gefaßt zu haben. Er löschte die
Kerzen und gönnte sich einige Stunden Schlaf, und bald
träumte er von ganz anderen Dingen, als den Geheimnissen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.