Full text : Feierabend-Stunden

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Fürchtet ihr die Todten mehr als die Lebenden“, höhnte
er, „und glaubi Ihr, daß der fürstliche Moder und Staub
drunten mehr Widerstandskraft habe, wie die lebendigen
Aristokraten, deren warmes Blut Ihr ja oft vergossen und
getrunken habt?“
„Der Bürger-Commissar hat Recht —“ rief ein junger
Bursche, der, aͤnscheinend stark berauscht, schon den ganzen
Abend die wüthendsten Drohungen gegen die Feinde der
Republik und die Aristokraten ausstieß, dabei tüchtig der
Flasche zusprach und auch die Anderen unaufhörlich zum
Trinken nöthigte. Was er zum Besten gab, war gut und
angenehm zum Trinken, ächter Chartreux, wie er behauptete,
und aus dem fürstlichen Keller. Gerne wurde dem bereit—
willigst verabreichten Getränke von Allen zugesprochen und
die Stärke seines Geistes ward auch bald bei Jedem der
Bande verspurt. „Wenn keiner es wagt, hinabzugehen, so
gehe ich allein“, rief er höhnisch; „ich fürchte die todten
Tyrannen eben so wenig, wie die lebendigen!“
Das zündete. Drei der Herzhaftigsten schlossen sich ihm
an, und mit Laternen und Fackeln versehen, begaben sich die
Leichenschänder hinab in die Gruft. Sie untersuchten dieselbe
nach allen Seiten hin, nichts war zu hören und zu sehen,
als das letzte Röcheln und das verzerrie Gesicht ihres ster—
benden Kameraden.
„Die Memmen hatten Furcht“, sprach einer der Kirchen—
schäüuder, „ihre vom Branntwein erhitzte Phantasie ließ sie
Gespenster sehen, wo keine sind. Schade um den Kerl dort,“
fuhr er dann fort, „war sonst keiner von den Furchtsamen,
doch auf einen mehr oder weniger kommt es heute nicht an.“
Damit setzte er seine Blendlaterne ebenfalls auf einen
Sarkophag nieder, untersuchte dann mit den anderen beiden
Gesellen den nebenanstehenden, um zu ermitteln, wie er am
leichtesten zu öffnen sei. Es war dies kein leichtes Werk,
nur mit äußerster Kraftanstrengung gingen die mitgebrachten
Meisel und Brecheisen in die Fugen und auch der schwere
Deckel war nicht leicht zu heben. Sie hoben und lüfteten,
            
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