Full text : Feierabend-Stunden

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dern auch in der ganzen Umgegend herrschte, hegten Archier
und Ehrmann doch Bedenken, öffentlich die Grüfte zu schänden,
in welchen die Fuͤrsten und Regenten der jetzt so grausam
malträtirten Bevölkerung ihre Ruhe gefunden hatten. So
ungesehen als möglich sollte daher abermals ein fait accompli
geschaffen werden, wie deren schon so viele und schmerzliche
shm vorangingen. Was aber einen ganz besonderen Grund
zu dem Vorhaben der Grabschändung abgab, das war die
Thatsache, daß allgemein das Gerücht verbreitet war, in der Für⸗
stengruft seien der Hausschatz, die Diamanten und andere Kost—
barkeiten kurz vor der Flucht des Fürsten untergebracht worden.
Nach der ihm gewordenen Weisung hatte sich der Organist
und Lehrer pünktlich in der Schloßkirche eingefunden und
nachdem er die an ihn gerichteten Fragen in Betreff des
Eingangs zu der Fürstengruft u. s. w. beantwortet hatte,
durfte er sich wieder nach Hause begeben zur Freude seiner
Angehörigen, die um den Gatten und Vater nicht wenig
besorgt waren. Unterdessen entwickelte sich im Innern der
Schloßkirche ein eigenthümliches, geheimnißvolles Treiben.
Hyänen gleich schlichen mehrere Männer, mit Windlichtern
bersehen, um den Hauptaltar hin und her, sichtlich bemüht,
die Platte zu heben, welche über den Eingang zur der Gruft
gelegt war, worin als Letzte aus der fürstlichen Familie des
Hauses Nassau-Saarbrücken im Jahre 1780 die Gemahlin
des Fürsten Ludwig, Wilhelmine Sophie von Schwarzburg
beigesetzt worden war. Kein Wort wurde laut gesprochen;
schweigend folgten die Kirchenschänder den kurzen und gemessenen
Befehlen ihres Führers. Nach mancher Anstrengung gelang
es ihnen, endlich die Eingangsthüre zur Gruft frei zu legen;
rein kalter Modergeruch drang aus der Tiefe hervor, welche
geheimnißvoll und dunkel vor den Blicken der unberufenen
Eindringlinge sich öffnete. Eine steinerne Treppe zeigte
ihnen den Weg hinab zu dem Ort, wo sie die fürstlichen
Schätze zu finden hofften und an den Todten ihre gemeine
Rache auszuüben gedachten. ——
„Zwei von Euch“, befahl Ehrmann, „gehen erst vor—
sichtig hinunter, das Gewölbe zu untersuchen, ob es frei ist
            
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