und alleinige Glück ihres Vaters aus. Wenn er außerdem
keine Kosten scheute, seiner Tochter eine tüchtige geistige
Bildung beizubringen, so war auch die wackere Else bestrebt,
ihrem Augapfel, wie Dorothea von ihr genannt wurde, eine
tuͤchtige wirthschaftliche Gewandtheit eigen zu machen. Auf
diese Weise sehen wir in des Polizeiraths Tochter zur Zeit
des Beginnens unserer Erzählung eine Jungfrau ebenso fein
gebildet und häuslich erfahren wie anmuthsvoll und schön,
und nur dieser Perle hatte es der Rath zu verdanken, wenn
er noch mit Einladungen in die angesehensten Beamten- und
Bürgerkreise des öfteren eingeladen worden ist.
Seit er sich nach dem Schloß zur Audienz begeben hatte,
war der Rath noch nicht in seine Wohnung zurückgekehrt.
Es war schon über die zehnte Abendstunde, und noch immer
lauschten die beiden Frauen auf den bekannten Tritt des
Hausherrn, der stets klirrende Sporen an den Stiefeln trug,
obgleich ihn noch kein Mensch jemals zu Pferd gesehen hatte.
Auch dies gehörte zu den Absonderlichkeiten des Polizeiraths.
Die Vorgänge im Schloß und auf dem Alleewege nach dem—
selben waren durch die ab- und zugehenden Polizeiagenten
den Frauen zu Ohren gekommen und obgleich solche Vor—
komnmisse zu damaliger Zeit nichts Seltenes waren, so
malten sich dennoch heute mehr als je Angst und Besorgniß
auf dem schönen Antlitz der Jungfrau aus. Auch Base
Else, wie die Haushälterin von Dorothea genannt wurde,
war heute nicht so redselig wie sonst und beklommen blickte
sie nach Westen hin, wo, angezogen und gefesselt durch den
Strom, schon über zwei Stunden ein Gewitter stand, das,
Blitz auf Blitz und Donner auf Donner entsendend, weder
vor⸗ noch rückwärts zu können schien; kein Lüftchen regte
sich und, wie in dem traulichen Familienzimmer des Polizei—
raths, so herrschte auch in der freien Natur eine bange und
drückende Schwüle.
„Wo nur der Vater heute so lange verweilen mag?“
frug mehr für sich als zu Else gewandt Dorothea.
„Der Dienst, der böse Dienst wird ihn wohl wieder
zurückhalten“, entgegnete Else; „daß aber kein Diener uns