Full text : Feierabend-Stunden

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Der Schlsßbrand und der rothe Franz.

Wenn wir im vorigen Kapitel an der Hand von Chro—
nisten etwas tief in das Gebiet der speziellen vaterländischen
Geschichte geriethen, so sind wir erstens von dem Bewußtsein
geleilet worden, daß wir zunächst für eine Bevölkerung
schreiben, die mit Herz und Seele an ihren geschichtlichen
Ueberlieferungen hängt, und zum zweiten haben wir ja auch
in dem Eingange dieser Geschichte gesagt, daß es eine histo—
rische Erzählung sein sollte, die unseren verehrten Lesern
vorzuführen wir uns vorgenommen haben. Nehmen wir
daher nun wieder den Faden derselben auf.
Allerhand finstere Pläne kreuzten sich in dem Gehirne
des rothen Franz, als er auf dem Heimweg begriffen war;
er ahnle, oder vielmehr sein Instinkt sagte ihm, daß der
geheimnißvolle Ritt des Pfiffer-Jakob vielleicht die Ursache
sein könnte, an demselben Rache, blutige Rache zu nehmen.
Die Gelegenheit hierzu sollte nicht lange auf sich warten
lassen. Venn nachdem der Fürst, seine Regierung und alle
seine Beamten für Feinde der Republik erklärt worden waren,
glaubte auch er, der schlaue Fuchs, den Schafpelz, mit dem
er sich bis jetzt umkleidet hafte, abwerfen zu können, und
als saͤmmtliche Förster und Forstbeamten als Gefangene nach
Metz geschleppt worden waren, war er der Einzige, der fehlte:
er haͤtte sich bereits an die republikanischen Commissäre, welche
würde, begab sich nach Catolsberg im Anspachischen, wo er am 27.
Aprit 1794 plotlich mit Tod abging. Ueber die Ursache seines Todes
herrscht tiefes Dunkel; die Einen sagen, der Prinz sei vom Pferde
gestürzt, nach Anderen soll er in einem Zweikampfe gefallen sein. Der
Schleier, det über den Tod des letzten Sprossen des fürstlich Nassau—
Sdarbrücker Regentenhauses ausgebreitet ist, wird wohl niemals von
menschlicher Hand gelüfiet werden. Von vielen St. Johann-Saar—
brüdern wurde noch viele Jahre nachher an dem Tode des Fürsten
Heinrich gezweifelt und der Verfasser erinnert fich, noch gegen Ende
der dreißiger Jahre Greise gekannt zu haben, welche sein Bild wie
ein Heiligthum verehrten und immer noch hofften, er würde bald kommen,
im die Regierung des Fürstenthums wieder zu übernehmen.
            
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