Full text : Feierabend-Stunden

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„Was bringst Du“, frug der Fürst, „und wo kommst
Du her?“
„Durchlaucht, ich komme aus der Stadt und habe mich
so viel als möglich unbemerkt hierher aufgemacht, um von
den wälschen Spionen, welche Euch umgeben, nicht gesehen
zu werden. Durchlaucht,“ fuhr der junge Mann fort und
sein Auge leuchtete in wunderbarem Glanze, „wenn auch
einst ein ausgelassener und wilder Bube, die Treue zu meinem
Landesherrn hat nie darunter gelitten und so halte ich es
denn für meine Pflicht, Sie zu warnen. Heute noch rückt
eine französische Colonne in das Zweibrück'sche hinüber und
es ist auf nichts Geringeres abgesehen, als auf die Person
des Herzogs, der nach dem Willen der Pariser Schreckens—
männer als Landesverräther auf die Guillotine geschleppt
werden soll. Und nicht länge wird es dauern, dann wird
man auch Eure Durchlaucht anklagen, um in den Besitz der
fürstlichen Reichthümer zu gelangen.“
Die Fürstin stieß einen leisen Schrei aus, Fürst Ludwig
aber erwiderte ruhig:
„Wir wollen es noch abwarten, aber nicht unterlassen—
unseren Schwager und Bruder zu benachrichtigen. Für die
mir soeben bewiesene Treue und Anhänglichkeit aber danke
ich Dir, Jakob Hillmann, und werde seiner Zeit mich Deiner
erinnern. . . .“ Plötzlich fuhr er leise fort:
„Du hast Recht, Hillmann, es ist heute Niemanden mehr
zu trauen und Vorficht thut noth. Wenn ich einen Eilboten
nach dem Zweibrücker Hof abgehen lasse, so könnte das
Verdacht erregen. Wie wäre es, wenn Du die Botschaft
ibernehmen würdest. Eines meiner besten Pferde will ich
für Dich unbemerkt hinter den Wald bringen lassen und
wenn Du reiten kannst, dann reite zu ohne Unterlaß und
mache den Herzog mit der ihm drohenden Gefahr bekannt.
Willst Du?“
„Ob ich will?! Euer Wunsch, Durchlaucht, ist mir
Befehl; ich werde ihn ausführen... Aber“, fügte Jakob
hinzu — „wird mir der Herzog auch glauben?“
            
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