1968
Im Schlosse zu Neunkirchen, wohin sich Fürst Ludwig
mißmuthig über die hartnäckige Renitenz seiner Unterthanen,
ganz besonders aber der Bürgerschaft von St. Johann-Saar—
brücken begeben hatte, saß er emsig arbeitend in seinem
Zimmer, denn die Vorgänge in Frankreich fingen an, auch
auf ihn einen mächtigen Eindruck zu machen. Französische
Emmissäre durchstreiften das Land und suchten das Volk
aufzuhetzen; jedoch vergebens, und obwohl einige Neuerer
die Zeit gekommen glaubten, ihre Ideen verwirklichen zu
können, so hing doch im Allgemeinen die Bevölkerung mit
Liebe und Treue an ihrem Regenten und es war somit auch
für Fürst Ludwig eine Genugthuung, als ihm eine Depu—
tation beider Staͤdte angemeldet wurde, welche im Namen
der Bürgerschaft den unterthänigsten Wunsch aussprach,
Durchlaucht möge geruhen, von Neunkirchen wieder in die
Mitte seiner getreuen Unterthanen nach Saarbrücken zurück—
zukehren. Die Franzosen, welche 10000 Mann stark am
31. Oktober 1792 ganz unerwartet hier eingezogen waren
und auf die schrecklichste Weise gebrandschatzt, gestohlen und
geraubt hatten, waren am dritten Tage wieder über St. Ingbert
und Homburg und in der Richtung nach Trier abgezogen,
und mit ihnen war auch der Freiheitsbaum verschwunden,
der vom Gesindel auf dem Marktplatz in St. Johann unter
dem Rufe: „Es lebe die Republik!“ aufgepflanzt worden war.
„Ich weiß“, sprach der Fürst nach Anhörung der Ansprache,
welche der Stadtmayer Carl Ludwig Matthäus an ihn hielt,
„daß die Anhänglichkeit an mich und mein Haus in den
Herzen meiner Unterthanen noch fortlebt; allein das mag
nicht verhindern, daß es Böswillige genug gibt, die geflissent—
lich keine Augen, kein Verständniß haben für all' das Gute,
das ich geschaffen, für alle die Opfer, die ich durch Aufgeben
hundertjährig bestandener Vorrechte und geheiligter Einrich—
tungen gebracht habe.“
„Durchlaucht“, entgegnete der Deputirte, Herr Wilhelm
Jakob Mühlhaus, „es gibt wohl keinen Bürger in unseren
beiden Städten, der dies nicht mit dankbarem Herzen anerkennt;
aber der Geist einer neuen Zeit hebt mächtig seine Flügel