Full text : Feierabend-Stunden

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Dann verlor er sie aus dem Blicke, und vom Schmerz über—
wältigt sank er nieder auf die Ruhebank, auf welcher noch
vor wenigen Minuten Christine ihn so sehnsuchtsvoll erwartet
hatte. Was er dachte, war nur an sie, an seine Christine;
das muthige, treue Mädchen füllte seine ganze Seele; über
sie vergaß er den eigenen Kummer und die Gefahr, die ihn
umschwebte. Lange saß er hier und träumte den schönen
Traum einer reinen und ersten Liebe. Endlich schüttelte es
ihn wie Frost, und das brachte den jungen Mann wieder
in die Wirklichkeit zurück. Rasch erhob er sich, einen letzten
Abschiedsblick warf er dem Orte zu, wo seine Wiege gestan—
den und wo eine liebende treue Mutter ohne allen Zweifel
jetzt dem einzigen Kinde bittere Thränen des Kummers und
der Sorge nachweinte.
„Lebt wohl, Ihr Guten alle meiner Vaterstadt. Euch
aber, die Ihr Schuld tragt an so vielem Unrecht und Leid,
Euch möge aus der Thränensaat die Vergeltung blühen.“
Hierauf zog der Flüchtling weiter und über die Grenze des
Fürstenthums Saarbrücken, wohin? war ihm selbst noch
nicht klar.

VIII.

Die Flucht des Fürsten.
Zwei Jahre waren seit den in den vorstehenden Kapiteln
geschilderten Begebenheiten vergangen und welterschütternde
Ereignisse fingen an, wie ferne Gewitterwolken sich am poli—
tischen Horizont immer dichter und drohender zusammen zu
ziehen. Während in Deutschland, wenn man das Conglomerat
von Staaten und Stätchen unter weltlichem und geistlichem
Scepter noch so nennen konnte, fürstlicher Despotismus und
Feudalwirthschaft in üppigster Blüthe standen, hatten sich in
Frankreich die politischen Zustände vollständig geändert.
Nach einem Decret vom 15. September 1791 wurden die
Constitutionsakte in jeder Stadt und in jedem Dorfe des
Reichs feierlich proklamirt. König Ludwig XVI. meldete
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