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„Soll mich freuen, Herr Marquis. Aber vergessen Sie
nicht, daß die Sonne der Adelsherrschaft, das Regieren mit
Stock und Hundspeitsche, im Untergange begriffen ist, und
wohl noch eher, als unsere Wege sich noch einmal kreuzen,
wird der Geist einer besseren Zeit über die Ruinen und
Trümmer der Feudalwirthschaft hinwegschreiten, an deren
Fundamenten und Säulen Jahrhunderte der Schmach und
der Unterdrückung gebaut haben.“ Hiermit ließ er die Zügel
des Pferdes los, die er noch immer in der Hand hielt, rief
Caro und ging, ohne ein Wort weiter zu verlieren, ruhig
seines Weges, gefolgt von dem Hunde, der gravitätisch neben
ihm herschritt.
Aergerlich, unzufrieden mit sich selbst, gab der Marquis
seinem Rosse die Sporen, und ehe eine Viertelstunde ver—
ging, saß er in seiner behaglichen Wohnung in einem der
herrschaftlichen Häuser in der Nähe der Ludwigskirche zu
Saarbrücken.
Der einsame Wanderer aber war unterdessen an dem
Christuskreuze und der Ruhebank angekommen, woselbst ihn
die verschleierte Dame erwartete. In fliegender Hast eilte
sie ihm entgegen und sprach mit aufgeregter, fast ängstlich
tönender Stimme:
„Fritz, wo bleibst Du so lange? Doch habe Dank, daß
Du gekommen bist. Noch einmal mußte ich Dich sehen,
noch einmal mit Dir sprechen, ehe Du die Heimath und
Vaterhaus verlassen mußt. Aber. was ist vorgefallen mit dem
Reiter dort?“
„Nichts, nichts von Bedeutung; es war wieder einer von
des Fürsten Schmarotzern, dem ich den Weg gezeigt habe,
als er auf dem meinen mir unwürdig entgegentrat; und
deßhalb, Christine, meine geliebte Christine, zürne mir nicht“,
begütigte Fritz Born, denn dieser war es. „O, wie bedauere
ich, daß ich Dich hier allein und zu so ungewohnter Stunde
habe warten lassen müssen! Aber ich konnte nicht eher kommen,
denn es drängte mich, noch eimal meine alte Mutter zu sehen,
ehe ich, vielleicht für's Leben, von ihr scheiden sollte. Ich
habe es erreicht, ich habe sie noch eiumal sprechen und um—