Full text : Feierabend-Stunden

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Lieutenant von Sturmfelder war besonnen genug, keine
Patrouille zum Zweck des Auseinandergehens der ange—
sammelten Volksmenge abzusenden, und als ein Sängertrupp
aus der Gartenanlage „Zum Schwanen“ trat, einen alten
rothen Vorhang an einer Stange nebst einer großen Laterne
als Banner vorantragend, schloß sich ihnen Alles an und
unter dem Absingen von Vaterlands- und Freiheitsliedern
marschirte in schönster Ordnung die Volksmenge in die Stadt
zurück, wo in den verschiedenen Wirthslocalen das Ereigniß
*— besprochen ward. Nichts störte sonst die allgemeine
tuhe.

II.
Zur Zeit der Regierung der ehemaligen Grafen von H.,
war H. eine Festung, die, wie der ganze neue Theil der
Stadt von den aus Frankreich geflüchteten Protestanten
gebaut wurde. Sie ist später geschleift worden und außer
dem die Stadt umgebenden Festungsgraben und einem ein—
zigen Thore zeugt nichts mehr davon, daß vor der ehemaligen
Festung es oft sehr heiß hergegangen und sie von dem
Kaiserlichen General Lamboy Monate lang belagert und von
den Schweden unter dem General Ramsey vertheidigt wor—
den ist, bis Landgraf Philipp von Hessen der hart bedrängten
Stadt zu Hülfe kam. Mit seinem AÄngriff vereinigten die
Belagerten einen Ausfall und die Kaiserlichen wurden aufs
deppt geschlagen. Heute noch feiern die Bewohner zum
edächtniß des Tages, am 13. Juni, ein großes Wald⸗ und
Volksfest, das Lamboyfest, in demselben Walde und derselben
Ebene, wo am 30. October 1818 der bayerische General
Wrede den auf dem Rückzung aus Rußland begriffenen Fran—
zosen eine Schlacht lieferte, um deren Siegespreis sich jedoch
noch heute beide Theile streiten.
Das vorerwähnte alte Festungsthor ist in seinem oberen
Theile in eine geräumige Amtswohnung umgewandelt wor—⸗
den und in seinen Nebengebäulichkeiten nach der alten Stadt
zu, wohin eine kleine schmale Brücke führt, befand sich ehe—
            
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