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in Gedanken vertieft, unbeweglich, einer Bildsäule gleich, auf
der Ruhebank saß, welche vor einem Bilde des Heilandes an
der Stelle angebracht war, wo in der Nähe des Halberges
sich der Weg nach St. Ingbert hin wandte. Ein großer
Bernhardiner Hund lag ruhig und lang hingestreckt zu Füßen
der Frau, die treuen und klugen Augen wachsam auf dieselbe
gerichtet. Vom Thurm der mittelalterlichen Kirche von
St. Arnual schlug die siebente Stunde und feierlich und
Ruhe verkündend erklangen die Töne der Abendglocke von
dori herüber. Die Verschleierte erhob sich jetzt und blickte
forschend auf den Weg, der nach der Stadt zu führte.
„Schon um die siebente Stunde“, sprach sie leise vor sich
hin, „wo er nur bleiben mag. Gott! wenn ihm nur nichts
zugestoßen ist. Ach! mir ist so ängstlich zu Muthe; es ist
mir, als ob diese Stunde die verhängnißvollste meines Lebens
sein und werden sollte. Ruhig, Caro“, sprach sie dann
zu dem Thiere, „ruhig, mein treuer Hund“, denn dieser hatte
sich gleichfalls erhoben und sich schmeichelnd der Gebieterin
genähert, als wolle er sie trösten und beruhigen ob der trüben
Gedanken, die eben ihre Seele beschlichen hatten. Mit dem
ruhig funkelnden sternenhellen Himmel harmonirte die Grabes—
stille, die ringsum herrschte, denn nichts regte sich, als von
Zeit zu Zeit ein leiser Frühlingshauch, der durch die schon
mit jungem Laub bedeckten Bäume und Hecken hinzog. Da
plötzlich drängte der Bernhardiner sich dicht an seine Herrin
und diese, dadurch aufmerksam gemacht, vernahm nun das
langsame Getrapp eines daherkommenden Pferdes.
Sie gebot dem Hunde leise Schweigen und dieser legte
sich verständnißvoll vor der Ruhebank nieder, auf welcher
die Unbekannte ihren Sitz wieder eingenommen hatte. Kurze
Zeit darauf ritt ein Mann, ohne sie bemerkt zu haben, an
dem Christuskreuze vorüber. Fast hörbar pochte das Herz
der Harrenden, denn noch nie im Leben war sie in nächt—
lichen Stunden so einsam und allein im Freien. Sie erhob
sich, als wolle sie dadurch ihre beklemmende Unruhe bemeistern,
doch bald ward ihre Aufmerksamkeit durch einen Seitensprung
erregt, den das Pferd des Reiters machte und durch ein