190
erkannte, griff er nach seinem Degen, doch ehe er vom Leder
ziehen konnte, umspann Born's nervige Faust die Hand
sammt dem Degen des Offiziers mit einem solchen Druck,
daß Herr von Luxberg hätte aufschreien mögen vor Schmerz
und Wuth.
„Laß mich, Canaille,“ rief er, „oder bei Gott, Du sollst
es bereuen; laß los, sonst wirst auch Du die Kugel ans
Bein bekommen, wie Dein Genosse, der ehrenwerthe Bräutigam
der ehrbaren Jungfrau, die in dem Brautstand schon im
Garten den Hausfreund empfängt.“ Ein gezwungenes
Lachen folgte dieser Beleidigung, während wie der Blitz eine
Ohrfeige so derb auf die rechte Kopfseite des Beleidigers fiel,
daß er wie vom Schlage gerührt zu des Mädchens Füßen
stürzte. Dieses, einer Ohnmacht nahe, sah sprachlos der
Scene zu, Born aber ergriff den Degen von Luxbergs, brach
ihn in Stücke und warf diese mit sammt seinem Träger vor
die Gartenthüre. Dann nahm er das zitternde Mädchen in
den Arm und führte es, ohne den keuchenden Lieutenant eines
weiteren Blickes zu würdigen, dem väterlichen Hause zu.
Auch von Luxberg erhob sich mit Mühe von dem Boden
und verließ den Schauplatz seiner Heldenthaten mit einer
zerbrochenen Rippe.
Am anderen Morgen schon wurde auf den wilden Fritz
gefahndet; er war jedoch nicht aufzufinden, so sehr die Häscher
auch, angefeuert durch Geschenke des Herrn von Luxrberg,
nach ihm suchten. Er schien Stadt und Gegend verlassen
zu haben.
VII.
Das Rendezvous am Kreuze.
Während die vorerzählten Begebenheiten sich zutrugen,
war der Winter vollständig vergangen und es wehte ein
milder Frühlingshauch darch Thäler und Schluchten, über
Berge und Höhen. Es war im April und die Sonne schon
längst gesunken, als eine tief verschleierte Frauengestalt,