1883
fuhr sie fort: „Ja, das war der erste und auch der letzte
Triumph, den ich in der Welt gefeiert habe, und seine
Folgen hatte ich nur zu bald zu bereuen. Von Fürsten
und Grafen wurden meine Gebieterin und ich umschwärmt,
und die Herren fanden bald in mir das unverdorbene, ver—
trauensvolle Mädchen heraus; besonders war es der General
des Königs, Fürst Ludwig, der mich mit Aufmerksamkeiten
überhäufte. Als der Vater meiner jungen Gebieterin nach
Deutschland zurückkehrte, setzte er Alles daran, mich in der
französischen Hauptstadt festzuhalten. Es gelang ihm nur
zu gut, durch Mithülfe seiner Höflinge in der Brust der
stolzen Amalia Neid und Eifersucht zu erwecken, und nach
einer heftigen Scene am Morgen vor der Abreise stand das
verwöhnte Kind des Böhmerlandes fremd, schutz- und herren⸗
los in der französischen Hauptstadt. Noch hatte ich keinen
Entschluß gefaßt und einstweilen Schutz bei der Gattin des
Verwalters des kaiserlichen Gesandtschafts-Hotels gesucht und
gefunden.“
„Eben überlegten wir“, fuhr Wlaska nach einer kleinen Pause
fort, „was in meiner Lage zu beginnen, da wurde Fürst L.
gemeldet, der noch einmal gekommen war, sich von dem Gesandten
zu verabschieden. Ob und wie bei dieser Gelegenheit auch die
Rede von meiner geringen Person war, das weiß ich nicht.
Ich will mich kurz fassen. Andern Tags erhielt ich den, wie
ich wähnte, hochehrenden Antrag, als Gesellschafterin seiner
Cousine in den Haushalt des Fürsten einzutreten. Bald
darauf reiste die Cousine des Fürsten, Gräfin Hochstätten,
nach Deutschland ab, für kurze Zeit nur, wie man sagte,
und ich sah mich bald an ihrer Stelle von Allem umgeben,
was nur ein reicher Fürst der Dame seines Herzens zu
bieten vermag. Dem Zauber der Pracht und den verlocken—
den Schmeicheleien des Fürsten vermochte ich nicht zu wider—
stehen und“ — hier zögerte das Weib, Purpurröthe über—
fluthete ihr Antlitz, ihr Auge wandte sich ab von dem jungen
Manne und suchte den Boden — „und ehe drei Monden
vergingen, war ich, die Verführte, eine Gefallene. Ich wußte,
daß mein alter guter Vater kommen würde, mich in Paris