Full text : Feierabend-Stunden

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„Wilhelm Hillmann“, entgegnete der Jüngling mürrisch,
sein Gewehr über die Schulter werfend und zum Gehen sich
anschickend.
„Wilhelm also heißt Du und Hillmann ist der Name
Deines Vaters? O, zürne mir nicht, der Ring, den Du dort
am Finger trägst, er giebt mir ein Recht zu allen Fragen.“
Wilhelm wurde es seltsam zu Muthe; er konnte sein
Auge nicht von der Unbekannten abwenden und wie von
—F unwiderstehlichen Macht gefesselt fühlte er sich in ihrem
reise.
„Wer gab Dir diesen Ring? Bei dem Namen Deiner
Mutter, gieb Antwort oder der Wahnsinn erfaßt mich“,
flehte noch einmal das Weib, die gefalteten Hände zu ihm
emporhebend.
„Beim Namen meiner Mutter?“ murmelte Wilhelm und
eine finstere Wolke überzog seine edle Stirne, aber plötzlich
fing es an in seiner Seele zu dämmern. Sollte dieses Weib
mit seinem Schicksal in irgend einer Verbindung stehen?
Sollte er vor der Lösung eines Räthsels stehen, das sein
ganzes junges Leben hindurch ihn beschäftigt hatte? Mit
neuer Theilnahme wandte er sich der Fremden zu und ant—
wortete, ihr den Ring vor die Augen haltend:
„Diesen Ring erhielt ich von meiner Pflege-Mutter kurz
vor ihrem Scheiden aus dieser Welt; sie sagte, es sei das
Einzige, was mir von meiner Mutter, die ich nie gekannt
habe, zum Andenken geblieben sei.“
„Von Deiner Mutter? Wer war sie und wo ist sie
geblieben?“
„Ich kann über Beides keine Antwort geben“, antwortete
Wilhelm, „denn ich, ich“, fügte er seufzend und zögernd
hinzu, „ich bin ein Findling. Es sind jetzt 17 Jahre, als
mich der Schloßwächter Hillmann, mein braver Vater, vor
der Pforte liegend fand, das verlassene Wesen seinem frommen
Weibe übergab und auch später an Kindesstatt annahm ...
diesen Ring trug ich an einem Seidenbande am Halse. ...
Jetzt weißt Du, was Du wissen willst, nun laß mich ziehen.“
Wilhelm wollte gehen; da gewahrte er, daß die Fremde,
            
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