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die Rechte. Hierbei fiel der Blick der Frau auf einen Gold⸗—
ring, den Wilhelm am Zeigefinger trug Herrlich gearbeitet
in alter Fagon zeigte derselbe eine weiße Taube in rothem
Achat geschliffen, eine Seltenheit, wie Kunst und Natur
pereint sie selten hervorbringen.*)
Mit stierem Auge schaute das Weib auf deu Ring; fest
hielt sie das Handgelenk des Jünglings umklammert und
wie eine Geistesabwesende blickte sie, keines Wortes mächtig,
in seine Augen. Hoch hob sich ihre Brust und mit fieber—
hafter Spannung frug sie:
„Woher ist dieser Ring? Sprecht, sprecht, wer hat Euch
den Ring gegeben? Wer seid Ihr? O Gott, mein Gott,
wie kann es möglich sein?“
Wilhelm wußte nicht, was er sagen sollte. Sein erster
Gedanke war, er habe es mit einer Wahnwitzigen zu thun
und er wurde in dieser Meinung um so mehr bestärkt, da
die Frau sich vor ihm auf die Kniee stürzte und wie zu
einem Heiligen zu ihm hinauf sah
„Wie heißt Ihr? Wer sind Eure Eltern? Sprecht bei
Allem, was Euch heilig ist!“ drängte sie mit keuchendem Achem.
„Was kann es Dich kümmern, fremdes Weib, wer ich
bin,“ entgegnete der junge Mann bitter, denn jedes Mal,
wenn er an seine dunkle Herkunft erinnert wurde, beschlich
ihn ein Gefühl des Hasses gegen die ganze Menschheit;
„ziehe ruhig Deiner Wege — und Gott sei mit Dir!“ fugte
er milder hinzu, als er in die großen, sonderbar leuch enden
Augen des Weibes schaute, über dessen jetzt geröthete Wangen
helle Thränen herabrollten.
„Hab' Dank für das letzte Wort“, sprach die Fremde;
„ja, Gott wird bei mir sein und mir helfen, mein Kind zu
finden, das zu suchen ich aus weiter Ferne gekommen bin.
D, die eine Frage wirst Du mir doch beantworten durfen:
Wie ist Dein Name?“
) In Oberstein hat der Verfasser ähnliche Figuren in Achat
geschliffen zu bewundern Gelegenheit gehabt.