Full text : Feierabend-Stunden

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das aus der Richtung der Glashütte daher geschritten kam.
Es war eine Frau in den vierziger Jahren, deren fremd—
artiges Antlitz immer noch die Spuren einstiger Schönheit
aufzuzeigen hatte; ihr Haar war in dichten, rabenschwarzen
Flechten einem Kranze gleich um das würdevoll und stolz
geträgene Haupt gewunden, und ein turbanartig um dasselbe
helegtes Seidentuch gab der Erscheinung das Ansehen von
etwas ganz Sonderbarem, wie es damals in dem Saar—
brücker Laude nur selten zu schauen war. Die übrige
Gewandung der Frau unterschied sich sonst wenig von der
damals hier herrschenden Landestracht. Als sie den Jüng—
ling sah, wollte sie schweigend an ihm vorübergehen. Als
dieser aber, von dem Geräusche ihrer Schritte aufgeweckt,
aufblickte, blieb die Frau stehen und wandte ihr volles
Antlitz dem Sitzenden zu. Verwundert staunte dieser die
seltsame Erscheinung an, die, ohne ihr Auge von ihm abzu—
wenden, einige ihm unverständliche Worte leise vor sich
hinsprach.
Durch diese ebenso seltsame als auch unerwartete Erschei—
nung und Störung unangenehm berührt, erhob sich Wilhelm,
warf sein Gewehr über die Schulter und wollte gehen.
„Laßt Euch nicht stören, junger Mann, und wenn meine
Gegenwart Euch lästig geworden sein sollte, glaubt mir,
daß es mir von Herzen leid thut. Verzeiht einer Unglück—
lichen, welche durch Euern Anblick in eine längstvergangene
Zeit des Glückes und ach! auch des unsäglichsten Elends
zurückversetzt worden ist.“
Wilhelm sah die Fremde an, ohne ein Wort zu erwidern;
wie von einer unsichtbaren Gewalt gefesselt, blieb sein Auge
an ihren Lippen hangen. Sie aber fuhr fort:
„Es ist schon lange, lange her, da war auch ich jung
und schön wie Ihr; wohin ich blickte, strahlte mir das
lächelnde Bild des Glückes und der Freude entgegen; doch
es war ein Bild des Truges, ein Schattenbild; es barg
für mich das Gegentheil in seinem Hintergrunde und aus
der vielumschwärmten und bewunderten Jungfrau ist eine
            
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