Full text : Feierabend-Stunden

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offen begünstigt worden wäre, wenn sich nicht ihr Gatte auf
das Entschiedenste dagegen ausgesprochen hätte.
Es war ein geldgieriger Mann, der Hofagent, der mit
seinem eigenen Kinde die hochfahrendsten und selbstsüchtigsten
Pläne vorhatte. Von dunkler Herkunft und mit sehr geringer
Bildung ausgerüstet, war er vor Jahren plötzlich in der
fürstlichen Residenz aufgetaucht, wo er zuerst als Dienst—
hote und Factotum sich bei den jungen Offizieren der fürst⸗
lichen Hausgarde beliebt zu machen wußte, bei den fürstlichen
Dienern, Knechten und sonstigei Volke aber einen eintrüg—
lichen Handel mit silbernen Uhren, Meerschaumpfeifen und
aAlen Gewändern betrieb. Je mehr er zu einigem Vermögen
kam, desto mehr streifte er auch seine anfängliche Bescheiden⸗
heit ab; das Bewußtsein, Mittel zu besitzen, das den meisten
Menschen Sicherheit in ihrem Auftreten verleiht, erweckte
bei Wackernagel Anmaßung, Ueber- und Hochmuth; in seinen
Augen war Jeder ein Lump, der es nicht so weit gebracht
hatte wie er, das Unglück aber und die momentane Verlegen⸗
heit seiner Mitmenschen waren die Quellen, aus denen er
seine Nahrung zog, und mit dem dem Elende abgewucherten
Belde glaubte er alle Hindernisse überwältigen zu könuen,
welche fich seinen ehrgeizigen Plänen entgegenstellten. Den
Mangel an Achtung bei seinen Mitbürgern war er bestrebt,
durch die oft unsinnigsten, wenn nur auffallenden Extra⸗
bacauzen zu ersetzen; wie wir das bei so Vielen wahrnehmen,
die den Besitz nicht gewohnt waren und den wahren Werth
desselben nicht zu schützen wissen, weil sie edlere Lebenszwecke
nicht kennen und von den höheren sittlichen Aufgaben des
Menschen keine Ahnung haben. Unter dieser Sorte von
Menschen, zu den Vampyren der öffentlichen Gesellschaft,
zählte auch der Hofagent Wackernagel, wenn er auch keiner
bon den gefährlichsten war. Er träumte von nichts anderem
als einem Schwiegersohn aus adeligem Geschlecht. Mit solchen
deuten kam er vermöge seines Geschäftes als Geldverleiher
und Wucherer auch öfters in Berührung und es schmeichelte
ihn sehr, wenn zuweilen der eine oder andere von den Hof—⸗
cavalieren sich herabließ, eine Einladung zur Tafel anzunehmen,
            
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