Full text : Feierabend-Stunden

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Fürst Ludwig war im großen Ganzen ein gutmüthiger,
aber wankelmüthiger Fürst, öfters auch jähzornig, wie dies
bei vielen schwachen Charakteren angetroffen wird. Seine
Günstlinge und Ohrenbläser hatten vielen Einfluß auf ihn,
und nicht selten — sagt der Chronist — lieh er auch der
Verleumdung Gehör. Seine Schmeichler nannten ihn den
besten und gütigsten aller Regenten, und sie mögen wohl
Ursache dazu gehabt haben. Trotzdem aber würde Fürst
Ludwig noch ein ganz guter Regent geworden sein, wenn
ihm das Schicksal Zeit zur Läuterung seiner Leidenschaften
gelassen und eine ungestörte Regierung gegönnt hätte, was
ihm leider nicht beschieden war.
Das Militärwesen und die Jagd waren des Fürsten
Liebhaberei. Die Soldaten-Spielerei kostete ihn schwere
Summen. Außer dem Kreis-Contingent und den beiden
Regimentern, welche er zum Dienste des französischen Königs
stellte, hatte er auch noch sogenannte Haustruppen, deren
Bildung, Auflösung und Wiederbildung ihn unablässig
beschäftigten und mit welchen er ein wahres Verwandlungs
spiel trieb. Alles dies kostete den Fürsten ganz bedeuteüde
ZSummen, die aber meistens wieder den Städten zu gut
kamen. Wie bei den damaligen Fürsten allen, so war auch
bei ihm das Viel- und Selbstregieren an der Tagesordnung,
und über die geringfügigste Sache wurden oft mehrere Buch
Papier verschrieben: kurz, nichts ging vor, wovon dem Gestrengen
nicht berichtet wurde, worüber er nicht selbst entschied, mit
Ausnahme der Gerichtssachen, welchen er ihren freien Lauf
ließ. Nur die Waldfrevler und Wilddiebe pflegte er wo
möglich selhst oder doch wenigstens unter seiner persönlichen
Assistenz abzuurtheilen, denn diese betrachtete er als seine
persönlichen Feinde.
So war es am 1. November. Am folgenden Tage, am
Allerseelentage, war die fürstliche Residenz ebenfalls in nicht
geringerer Aufregung, doch die Ursache derselben war ganz
anderer Art. Schon in der Frühe dieses Tages waren auf
besondere Anordnung des Fuͤrsten Ludwig Heinz und der
Vetter Hillmann in ein scharfes Verhör genommen worden,
            
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