Full text : Feierabend-Stunden

fassung, durch welche Fürstenrecht und Fürstenmacht mit
Füßen getreten wird, ha! in solchen Momenten kommt man
und fleht: Herr, beschütze mich vor dem Verfassungsschwindel,
den wir heraufbeschworen haben und der sich heute doch als
zu schwach erweist, unseren auf Umsturz des Thrones und
der göttlichen Weltordnung gerichteten Intensionen die rechte
Handhabe zu sein ... He! was sagt Er dazu?“
„Königliche Hoheit“, entgegnete der also Gefragte ruhig,
„ich und die Meinigen gehören nicht zu denen, die den Um—
sturz wollen; auch führe ich keine Klage gegen die Landes—
Verfassung, welcher ich den Eid der Treue geschworen habe,
wie Eure Königlichen Hoheit ... ich will nur ....“
Der Fürst winkte dem Sprecher zu schweigen. Wie ver⸗
steinert blickt er den Hofschlosser an; seine Brust hob sich
wie nach Athem ringend auf und nieder und als Bartholdy
sich anschickte, die schriftliche Begründung seiner Beschwerde
dem Landesherrn entgegen zu halten, da erst schien dieser
wieder zum klaren Bewußtsein zu kommen.
„Fort aus meinen Augen, Rebell!“ schrie er, „Du
wagst es, Eid und Verfassung Deinem Herrn vorzuhalten?!
Noch bin ich Fürst in meinem Lande! Fort mit Dir, Du
Hochverräther! Fort! fort!“ Bartholdy stand wie vernichtet.
Vor Erregung am ganzen Körper bebend zerknitterte er die
Bittschrift in seiner Hand. In diesem Augenblicke trat der
fürstliche Leibiäger an ihn heran und bedeutete ihm durch
einen Wink, sich zu entfernen. Bartholdy folgte, doch ehe
er es sich versah, versetzte ihm der erboste Fürst eine landes—
—D—
noch zu weiteren Mißhandlungen geschritten, wenn nicht der
Leibjäger und Kammerdiener, an ähnliche Auftritte schon
gewoͤhnt, auf gewandte Art gesorgt hätte, den fast bewußt⸗
losen Mann aus dem Bereiche des fürstlichen Bearbeitungs—
kabinets zu entfernen.
Bartholdy ward von den Dienern in die Schloßwache
gebracht, woselbst er sofort ohnmächtig zusammenbrach. Der
unterdessen herbeigekommene Hofgärtner, sowie der wachhabende
Offizier bemühten sich vergeblich, den beklagenswerthen Mann
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.