Full text : Feierabend-Stunden

1 *V

zur Benutzung zu stellen und bringst Wilddieb und Wild
auf das Schloß zum Justizamtmann, auch Heinz soll Dich
begleiten, um daselbst amtlich vernommen zu werden.“
„Ihr wollt mich mit in die Stadt nehmen, damit ich vor
dem Juͤstizamtmann ein Verhör bestehe?“ frug Heinz.
„Allerdings“, entgegnete der Oberförster; „und ich glaube,
dem werdet Ihr befriedigendere Antworten geben als mir,
der es mit Dir noch gut gemeint hat.“
„Meint Ihr“, warf Heinz ein, „daß ich vor Gericht
mehr von dem sagen könnte, was ich nicht weiß, und was
Ihr doch so gern wissen möchtet? Auch vor dem gestrengen
Herrn Justizamtmann werde ich kein Anderer sein, als vor
dem Herrn Oberforster, dafür bürge ich Euch ...“
„uͤnd ich bürge Dir dafür, daß Du in der Stadt wirst
mürbe gemacht werden, hartgesottener Sünder; glücklicher
Weise gibt es mehr Ketten als bissige Hunde, die Erfahrung
werdet Ihr Beide schon machen.“
Nach diesen Anordnungen und Reden entfernte sich der
Oberförster und sein Lehrling ging, um das Fuhrwerk zu
besorgen, nachdem er Heinz gebeten hatte, für einen Verband
des Fußes seines Bruders zu sorgen. Heinz versprach es
und betrübten Herzens ging der Jüngling durch den Wald
in der Richtung nach dem Pachthofe zu. Tief in seiner
Seele mit dem eben Vorgefallenen beschäftigt, sah und hörte
er nicht, was über und um ihn vorging. Das traurige
Loos, das seinem Bruder bevorstand, erfüllte sein ganzes
Wesen. Da plötzlich tönte es ganz nahe hinter ihm mit
gedämpfter Stimme:
„Wilhelm!“
Ueberrascht wandte sich dieser um und war, wie vor
Schrecken gelähmt, fast keines Wortes mächtig, als er Fritz
Born an seine Seite treten sah.
„Wo kommst Du her, Fritz, und in so früher Stunde?“
fing Wilhelm an, und besorgnißvolle Spannung lag in dieser
Frage des jungen Mannes,
„Woher ich komme?“ entgegnete dieser; „was kümmert
es Dich, welche Wege ich gehe, Wilhelm; ich komme von
            
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