Full text : Feierabend-Stunden

„Königliche Hoheit wollen zu Gnade halten ... der
Mann befand sich schon vor dem Allerhöchsten Befehl im
Schloß .... Er bittet so dringend ...!“
„Hah! schon so weit gekommen!“ rief der Fürst erbost
„auch hier dasselbe Spiel wie in Residenz ... doch
noch bin ich Herr und Gebieter .... will dem Feind ins
Auge sehen .. mag kommen!“ befahl er endlich und der
Leibdiener entfernte sich.
Unmuthig warf sich der Fürst in seinen Polsterstuhl,
kramte und las in den vor ihm liegenden Schriftstücken und
schien in den Beruf seiner Regentenpflicht so vertieft, daß
er erst wieder aufblickte, als ihm durch den Leibdiener der
Hofschlosser Bartholdy gemeldet wurde.
„Soll eintreten!“ war der kurze Befehl.
Der Angemeldete erschien, begleitet von dem goldbortierten
Leibjäger des Fürsten, der inftructionsgemäß Zeuge jeder
Audienz sein mußte.
„Was wollen Sie von mir?“
„Ich nahe mich allerunterthänigst Eurer Königlichen
Hoheit, als unserm verehrten Fürsten und Landesherrn, um
Beschwerde zu führen gegen mir widerfahrenes Unrecht ...“
„Dazu ist hier nicht der Ort ... wozu die Gerichte?“
„Königliche Hoheit, eben das Gericht oder vielmehr die
Weise, mit der es gehandhabt wird, ist es, was mich diesen
außerordentlichen Schritt thun heißt .. ich wollté Eurer
Königlichen Hoheit Gnade . .7“
Weiter kam der Mann nicht in seiner Rede. Wie der
Blitz so rasch hob sich der Fürst von seinem Sitz und dicht
vor den Petenten tretend, die Augenbrauen finster zusammen⸗
gezogen, entgegnete er in erregtem Ton:
„Wie darf Er es wagen, vor seinem Fürsten und Herrn
solch unerhört freche Reden zu führen? Ist überhaupt noch
von Willkür die Rede, seitdem Demagogengefindel ein
geschriebenes Blatt Papier zwischen Thron und Volk geschoben
hat? .. . Hah! hah! hah!“ lachte er bitter, wenn Augen⸗
blicke kommen, wo man es erkennt, daß die Macht von
Gottes Gnaden doch besser ist, als eine sogenannte Ver⸗
            
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