Full text : Feierabend-Stunden

Io

nicht lange, bis sich derselbe Ruf aus der Tiefe des Waldes
vernehmen ließ.
Er ist da, und die Luft rein“, sprach Fritz mit Befrie⸗
digung; „nun vorwärts.“
Nach zehn Minuten etwa standen die beiden Abentheurer
vor einer Kohlerhütte mitten im Walde, in welcher sie der
alte Heinz schon erwartete. Ein lustiges Feuer prasselte in
dem Ofen, ein Krug Wein stand auf dem kunstlosen Tische,
im den die Drei Platz nahmen, nachdem vorher der Köhler
das einzige kleine Fenster mit einem Wollencamisol verhängt
und eine Delampel angezündet hatte.
Die leise geführte Unterhaltung der drei Männer drehte
sich um nichts Anderes als die Jagd, beziehungsweise um
die Wilddieberei, und aus dem Gespräch war zu entnehmen,
daß Heinz ein Meister in diesem Fache und der Lehrmeister
der beiden Andern war. Ihm schien es eine ganz besondere
Freude zu bereiten, vor dem Begiune der großen Jagd den
Wildstand noch um einige Prachtstücke zu vermindern und
dem ihm verhaßten Forstmeister von Fürstenrecht ein
Schnippchen zu schlagen. Heinz, ein durch mancherlei Schick—
salsschläge heruntergekommener, ehemals wohlhabender Guts⸗
pächter, wußte in dem Forst besser Bescheid, als die fürstlichen
Aufseher und seitdem er als Kohlenbrenner und Holzhauer⸗
meister sich zu ernähren gezwungen war, schoß und fing er
auch manches Wild, das er durch die Vermittlung von
Geuossen mit Vortheil in dem Zweibrückischen oder Kur—
trierischen oder auch in Saarlouis oder Saargemünd an den
Mann zu bringen wußte. Der wilde Fritz und der Pfiffer⸗
Jakob nahmen, wie schon gesagt, nur aus Leidenschaft zur
Jagd an dem gefährlichen Unternehmen Theil.
„Ihr habt lange auf Euch warten lassen“, wandte sich
Heinz an die beiden Genannten, „und ich dachte schon, Ihr
hättet Eurem Vergnügen auf immer entsagt.“
Es würde wohl das Beste sein, was wir thun könnten“,
meinte Born. „Auch dauert es doch nicht mehr lange, bis
die Vorrechte einer Hand voll Menschen vernichtet sein wer—
den, welche sich eindilden, durch den Zufall ihrer Geburt
            
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