128
kommen die Adeligen und all' das Geschmeiße, das uns noch
für weniger hält als ein Stück Wild und höchstens würdig
findet, als Treiber und Kläpperer an ihren noblen Pas⸗
sionen Theil zu nehmen. Der Teufel mag die ganze Sipp⸗
schaft holen!“
—ñN
II.
Die Wilddiebe.
Es war eine frische, aber schöne und helle Nacht. Der
Mond stand am völlig wolkenlosen Himmel und nichts störte
die nächtliche Stille als das Rauschen der Blätter, welche
welk und lebensmüde zur Erde fielen. Schweigend gingen
zwei Männergestalten auf dem Wege zu dem Platinhammer
neben einander her; jeder der nächtlichen Wanderer schien
mit sich selbst beschäfligt zu sein. Es waren die Beiden
niemand anders als Friß Born und sein Freund Jakob
Hillmann.
„Der Forstmeister von Fürstenrecht und der Oberförster
Steffen sind außer sich vor Wuth,“ unterbrach Fritz endlich
das Schweigen; „sie konnen nicht begreifen, wer“ den feisten
Bock geschossen, den sie für die Durchlaucht so lange gehegt
und gehätschelt hatten. Sie suchen die Frevler ganz wo
anders als hier. Daß wir es sind, die so gewaltsam in die
Vorrechte des Adels und der Herren einzugreifen sich er—
kühnen, davon hat Niemand eine Ahnung. Der alte Heinz
ist ein Prachtkerl, Jakob; auf ihn köuͤneun wir uns verlassen;
er ist schlau, wie der Fuchs und verschwiegen wie das Grab.“
„Das weiß ich Alles, Fritz. Aber schön wäre es doch,
wenn wir einmal erwischt würden und die Kugel an's Bein
geschmiedet bekämen, wie es jüngst dem armen Hagedorn
passirt ist, weil er sich einige Pfund Karpfen aus dem
Mühlenweiher angeeignet hat. Ja, ja, die kleinen Diebe
werden gehängt und die großen bekommen den Orden „der
Ritter der echten Treue,““ wie es neulich dem Landrath ge—
schehen ist.“