Full text : Feierabend-Stunden

J.

In der Gaststube zum „Stiefel“ in St. Johann.
Die Bierbrauerei und Wirthschaft zum „Stiefel“ in
St. Johann war als eine der renommirtesten in weiter Um—
gegend bekannt; Alle, die aus irgend einer Gelegenheit in
der Stadt etwaäs zu thun hatten, kehrten dort ein, und wer
bei solchen Gelegenheiten nicht bei dem Vetter Henrich war,
der ist in Rom gewesen, ohne den Papst gesehen zu haben.
Und der „Stiefel“ hatte seinen guten Ruf mit Recht. Keller
und Küche waren immer auf's Beste bestellt und die Frau
Wirthin so schmuck und freundlich, daß es Jedem eine Lust
war, einige Worte mit derselben zu wechseln. Kein Wunder
also, daß der „Stiefel“ eines der besuchtesten Wirthschafts⸗
lokale beider Städte war, und in ihm ist es, wo unsere Ge—
schichte ihren Anfang nimmt.
Es war an einem Sonntage des Jahres 1789, wo es
in dem „Stiefel“ recht lebhaft herging. Die große Wirths⸗
stube war gepfropft voll von Gästen und auch in dem Neben⸗
stübchen, dem „Herrenzimmer“, war kein Platz mehr zu
finden. Hier waren die Stadtmaier von Saarbrücken und
St. Johaun und eine große Anzahl Bürger beider Städte
versammelt und die Unterhaltung drehte sich hauptsächlich
um eine Beschwerdeschrift, welche verfaßt worden war und
dem Fürsten überreicht werden sollte. Der Stadtschreiber
Benz, ein wackerer Mann, ebenso in der Rede wie mit der
Feder gewandt, brachte sie zur Verlesung.
In 28 Sätzen waren alle Beschwerden angeführt, welche
die deiden Staͤdte zu haben glaubten und mit Ernst und
Nachdruck ward deren Beseitigung verlangt. Die Abschaffung
des Tabak⸗ und Brauntweinmonopols wurde gefordert, ebenso
            
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