Full text : Feierabend-Stunden

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weichen mußte. Sie krochen hinaus und nachdem sie
sich über einen Felsenvorsprung, der hoch und steil über
die Oeffnung sich ausbreitete, sowie durch ein dichtes
Gestrüpp hindurch gearbeitet hatten, standen sie endlich
unter Gottes freiem Himmel in dem grünen Wald, der
sich duftend vor ihnen ausbreitete. Schweigend sahen sich
die beiden Männer an, dann, überwältigt von den Gefühlen
der Dankbarkeit fiel Friedrich seinem Retter in die Arme.
Oben am Himmel aber schimmerten die Sterne so traulich
und hell und der süße Gesang der Nachtigallen flötete so
lieblich drein, daß es schien, als wollten sie ihre Klänge mit
dem Gebet zu dem Allgütigen senden, das aus der Brust
Friedrichs zu seinem Thron emporstieg.
Nachdem Socken, Blendlaterne und die Blouse Flemmings
in Sicherheit gebracht waren, schritten die nächtlichen Wan—
derer rüstig fürbaß und nach Verlauf einer guten Stunde
ohngefähr saßen beide in dem Hause des Wirthes, in dessen
Local Flemming mit dem blonden Ferdinand Bruderschaft
getrunken hatte, in einem traulichen Zimmerchen, wo ein
kräftiges Abendmahl schon im Voraus bestellt war. Flem—
ming war in dieser Nacht heiterer denn sonst und auch
Friedrich hatte bald den letzten Rest der Gefängnißstimmung
verloren und, glückliches Vorrecht der Jugend, alles Leid,
alles überstandene Elend war bald vergessen. So verging
eine Stunde, dann mahnte eine vorfahrende Chaise zur
Trennung. Mit Geld und einem regelmäßigen, auf einen
anderen Namen lautenden Paß versehen, fuhr nach herz—
lichstem Abschied und dem Versprechen baldigster Nachricht,
Friedrich in die Sommernacht hinein, der Grenze zu, von
wo aus ihn das Dampfroß rasch weiter brachte nach dem
Hafen, woselbst er sich mit allem Nothwendigen versah und
schon am folgenden Nachmittage nach dem Lande jenseits des
Oceans einschiffte, wo das freie Sternenbanner ihm gastlich
entgegenwinkte und der jede freiere Volksregung erstickende
Hauch des deutschen Bundestages nicht hinzudringen vermochte.
Flemming jedoch legte sich noch einige Stunden zur
Ruhe, um des Morgens in aller Fruhe, als wie von einem
            
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