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Weise dort in dem Gefängniß seine Jugendtage verkümmern
muß
„Glauben Sie denn wirklich, Herr Flemming“, frug
Ferdinand, „daß auch Unschuldige dort inhaftirt sind?“
„Glauben ... ja, ich glaube es, bin sogar davon über—
zeugt“, entgegnete der Gefragte warm; „die politischen Unter—
suchungsgefangenen wenigstens sitzen alle unschuldigerweise
im Kerker; sie haben so wenig Schuld an dem hochver—
rätherischen Treiben, das man ihnen zur Last legt, wie Sie
und ich, mein guter Ferdinand!“ Damit stieß er mit dem
Genanuten an. Nachdem beide die Gläser wieder nieder—
gesetzt hatten, fuhr Flemming fort:
„Da ist zum Beispiel dieser edle brave Bartholdy, von
dem habe ich die Gewißheit, daß er ein reines Opfer polizei—
licher Willkür ist . .. Es ist eine Schande, lieber Ferdinand
.. bei Gott, wenn ich dem Menschen helfen könnte, ich
würde es mit wahrer Freude thun, nur — um dem
anmaßenden neuen Inspector einen guten Streich zu seines
Amtes Anfang zu spielen. Ach, das wäre Wasser auf
meine Mühle .. Was meinst Du dazu, Ferdinaud? he?
Komme, wir wollen Schmollis trinken! Willst Du mein
Bruder sein, Du gutes Haus?“ frug Flemming freudigen
Blickes, stand auf uUnd hielt dem Erstaunten das volle Glas
entgegen.
Doch nur kurz besann sich der Letztere; der gute Wein
hatte bereits seine Wirkung gethan. „Freude schöner Götter—
funken“ rezitirte er pathetisch und mit dem Schlußvers:
Bettler werden Fürstenbrüder, wo Dein sanfter Fittig
weilt!“ schlang er seinen rechten Arm um den des neuen
Freundes und beide leerten die Gläser bis auf die Nagel—
probe. Der Bund der Freundschaft war besiegelt.
Von diesem Augenblicke an war es, als ob der Brüder—⸗
schaft auch die Vertraulichkeit auf dem Fuße gefolgt wäre.
Bis sich die Sonne als glühender Feuerball im Westen
senkte, so lange saßen der Gefangene und sein Aufseher leise
plaudernd dicht einander gegenüber. Was sie sprachen muß
wichtig und von Bedeutung gewesen sein. Mehrmals reichten