Full text : Feierabend-Stunden

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graben, dessen Thron umzustürzen und frevelhaft eine miß⸗
verstandene Freiheit an Stelle des Rechts und der Gewalt
von Gottes Gnaden zu setzen. „Ich werde streng, aber auch
suchen gerecht zu sein,“ schloß der neue Herr Inspector,
„auf keinen Fall aber dulden, daß auch nur ein Haarbreit
von dem Dienstreglement und den gegebenen Befehlen abge—
wichen wird, das wollen sich die Herren merken!“ Bei den
letzteren Worten ruhte der Blick vielleicht nur zufällig auf
dem blonden Ferdinand und dieser, hochbefriedigt durch das
Gefühl, daß er bereits gekündigt hatte, konnte nicht unter—
lassen, dem neuen Vorgesetzten einige Opposition gegenüber
zu setzen. „Ich bin zwar fast der jüngste von den unteren
Gefängnißbeamten, kann aber nicht umhin zu bemerken, daß
wir Alle das Bewußtsein hegen, stets unsere Amtespflichten
nach besten Kräften erfüllt zu haben und bedurfte es bisher
keiner Drohungen hierzu, denn ...“
Weiter kam der Sprecher nicht. Bärwanger warf ihm einen
giftigen Zornesblick zu und entgegnete in fast spöttischem Tone:
„Nun, wir werden sehen; es wird sich ja bald zeigen!“
Mit diesen Worten machte er ein Zeichen der Verabschiedung
und ließ die Gesellschaft in sehr verschiedener Stimmung
zurück. Einer schaute den Anderen an, dann gingen sie Alle
wieder den ihnen obliegenden Dienstgeschäften nach. Der
verliebte Ferdinand hatte, wie immer, den Gefangenen Flem⸗
ming in die nahegelegene Stadt zu begleiten. Wir wissen
ja, daß sich der Letztere als nur wegen Duells zur kurzen
Festungshaft Verurtheilter unter Aufsicht hinbegeben konnte,
wohin er wollte. Als dem Sohn des hochangesehenen und
reichen Oberforstmeisters von Flemming a. D. glaubte man
schon ein Auge zudrücken zu müssen, obgleich der junge
Flemming weder seine Familie noch seinen Namen in die
Wagschaale warf, von dem er, als nicht mehr in die Zeit
passend, sogar noch die Adelsbezeichnung „von“ wegließ.
Auch er war, wie wir sehen, von dem Geist der Demokratie
aui der Unirersität und den verichiedenen Bauakademien, die
er besuun ane. angehaucht worden, wie es die meisten
iungen Männer Ler damaligen Zeit gewesen sind.
            
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