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Eines nur kann ich Dir sagen: Friedrich ist glücklich, mich
gesehen und gesprochen zu haben. Seine stets gehegte Hoff—
nung aber, aus der Untersuchungshaft bald entlassen zu wer—
den, ist gebrochen. Er fängt an, das Gegentheil zu ahnen
und ersehnt nichts so sehr, als seine Freilassung. Ach! ich
glaube, mein so plötzliches Erscheinen hier läßt den edlen
Menschen seine unglückliche Lage jetzt nur noch schmerzlicher
empfinden!“
„Laß diese Selbstquälerei, liebe Dora,“ fiel ihr die
Freundin ins Wort; „was nützt es, sich um Dinge Sorgen
und Kummer zu machen, welche noch verschlossen im Schooße
der Zukunft liegen. Wer weiß, was die nächste Zeit
bringt? Vorläufig sei zufrieden, daß ihr euch gesprochen
habt; dies wird hoffentlich noch öfters geschehen, benutze die
Zeit und das Uebrige gebe vertrauensvoll in Gottes Hand!
Komme nun, es ist Zeit, daß wir auch an uns denken.
Flemming wird nicht lange mehr auf sich warten lassen.“
Damit begaben sich die Freundinnen in das Familien—
zimmer. Der Inspector Siegfried war noch immer nicht
von Herrn von Drach zurück, zu dem er in so früher
Stunde beschieden worden war und seine Gattin wußte sich
das gar nicht zu deuten. Sie sollte jedoch nicht lange mehr
darüber im Zweifel sein.
Bald kam der Erwartete und bei seinem ersten Schritt
in das Zimmer sah das scharfe Auge der Gattin, daß etwas
ganz Außerordentliches vorgefallen sein mußte. „Was bringst
Du Neues, Siegfried?“ frug sie gespannt.
„Laß mich nur erst mal sitzen,“ entgegnete er mürrisch,
„meine Neuigkeiten wirst Du noch früh genug erfahren!“
Alle Augen waren fragend auf den Mann gerichtet, der sich
mißmuthig in seinen Lehnstuhl warf. Nachdem er einen
„Wisch“ wie er es nannte, unmuthig auf den Tisch gewor—
fen, sah er seiner Frau einige Secunden in das Gesicht,
dann frug er:
„Was meinst Du wohl, Frau, was in diesem Ding da
geschrieben steht? Davon hast Du sicher keine Ahnung.“