Full text : Feierabend-Stunden

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„Nur noch einen Augenblick Geduld, mein lieber Hill—
mann,“ bat Maria, „wir werden gleich erscheinen mit dem
Frühstück für Nummer sechs,“ dann verschwand sie wieder
in der Küche.
„Ein charmantes Mädel, das, — ein resolutes Ding und
verständig dazu wie eine Alte,“ bhrummte Hillmann befrniedigt
in den grauen Bart, „ganz geschaffen fuͤr die Frau eines
Gefangenen-Inspectors und noͤch etwas Höheres.“
Abermals öffnete sich die Thüre, diesmal aber traten
Maria und Dora aus der Küche, die erstere den Kaffee, die
letztere das übrige Frühstück tragend.
Die beiden Mädchen standen vor dem Beamten und
Maria stellte ihm ihre Cousine mit den Worten vor: „Fräu⸗
lein Dora von Müldner, die Bruderstochter unseres Onkels
Siegfried!“ Und auf Hillmann deutend fuhr sie in der Vor—
stellung fort: „Das, liebe Dora, ist Herr Hillmann, die soge⸗
nannte rechte Hand unseres Onkels, ein erprobter treuer Be—
amte, auf den auch Herr von Drach das größte Vertrauen
setzt!“ Maria betonte jedes Wort und die Schlüssel in des
alten Mannes Händen ließen ein ordentliches Freudengerassel
erklingen. Mit einem gravitätischen Gruß gegen die ihm un⸗
bekannte junge Dame schritt er den beiden Mädchen vorau.
Unterwegs blieb Maria einen Augenblick stehen und
sprach: „Herr Hillmann, ich bitte Sie, sofort hinter uns
die große Corridorthüre sorgfältig zu schließen. Wir müssen
vorsichtig sein. Ich klingle, wenn wir zurückkommen; es
wird nicht lange dauern, denn wir haben ja nur nachzu⸗
sehen, ob innerhalb der Zellen als auch außerhalb derselben
Alles in tadelloser Ordnung ist, wenn der neue Herr Di—
rector kommt.“
„Nach der Gefängniß-Ordnung sollen nur die betreffen—
den Wärter den Gefangeuen das Essen bringen . .*
„Wie?“ frug Maria, „ich weiß das wohl, aber bin ich
denn nicht wenigstens ebenso verläfsig wie der Ferdinand?“
frug sie, den allen Mann anscheinend schmollend und doch
mit so freundlichen Augen anblickend.
            
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