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So erging es auch den beiden Freundinnen: sie hatten
so viel und so Seltsames geträumt, und beim ersten Er⸗
wachen sich vorgenommen, es sich gegenseitig mitzutheilen;
doch wie sie sich auch später darauf besannen — die Erin⸗
nerung an den Traum war fort, sie war entschwunden, wie
der Traum selbst. So kam der junge Morgen heran und
schickte freundlich sein helles Sonnenlicht in Dora's Schlaf⸗
gemach. Die Flügel der Fenster waren schon weit geöffnet
und die erquickende Morgenluft, gewürzt von dem Duft der
Blumen und Blüthen des Schloßgartens, erfüllte den trau—
lüchen Raum, in dessen Mitte die holde Jungfrau auf den
Knieen lag und in frommer Andacht ihr Morgengebet zu
dem allgütigen Vater im Himmel sandte. Gestärkt erhob sie
sich; ein Zug der Ergebung und des Friedens lag über ihr
ganzes Wesen ausgebreitet; ein bekümmertes Herz hatte seinen
Vuud mit Gott geschlossen. Als Maria freundlich grüßend
hereintrat, war sie überrascht die Freundin so entschlossen
uͤnd getröstet zu finden. „So, liebe Dora, so ist es recht!
Habe Vertrauen und Muth, heute sollst Du auch Deinen
Friedrich sehen und sprechen können. Flemming und ich
haben alle Vorbereitungen dazu getroffen; sei also gefaßt
darauf. Komme aber jetzt mit zur Tante, sie hat schon
mehrmals nach Dir gefragt. Der Onkel ist schon in aller
Fruͤhe zu Herrn von Drach beschieden worden. Wenn er
Furück kommt, werden wir den Kaffee trinken. Also gehe
nit.“ Damit ergriff sie Doras Hand und beide schöne
Mädchen begaben sich in die Wohnung des Inspectors.
XIII.
Auf dem Corridor ging ein älterer Gefängnißwärter mit
dem schweren Schlüsselbund träge auf und nieder und wartete,
bis aus der Küche der jüngere College Ferdinand erscheinen
sollte mit den Frühstücks-Portionen für diejenigen Untersuch⸗
ungs⸗Gefangenen, welche sich auf eigene Rechnung zu bekö⸗
stigen in der Lage waren. Es war ein alter Diener, der