Full text : Statistik und Verwaltung des Kreises Merzig im Regierungs-Bezirke Trier von 1815 - 1864

206 Ackerbau, Viehzucht und Forstwirthschaft.
nada, daß es sich aber hier nur um Feststellung des stricten Bedürfnisses
handelt, nicht darum, wie viel Wasser die Pflanzen vertragen können; und
daß die Spanier aus einer 1000jährigen Erfahrung wissen, daß die wenigen
im gewöhnlichen Flußwasser vorhandenen Dungstoffe sich nicht bezahlt ma—
chen, wenn man nur darum mehr Wasser kaufen wollte. Was den Unter⸗
schied des Clima's betrifft, so sollte man annehmen, daß in dem heißen und
rrockenen Klima des Südens eine stärkere künstliche Bewässerung nöthig
väre, als bei uns. Die Erfahrung lehrt aber das Gegentheil. (Hervo—
Magnon behauptet,“ daß im Morden 100 — 200mal so viel Wasser zur
Bewässerung derselben Fläche verwendet wird, als im Süden. Vergl. Denk—
ichrift „Erfahrungen über die Anwendung der Bewässerung unter verschie—
denen Climaten“, der Pariser Akademie vorgelegt von Hervé-Magnon. An—
nalen der Landwirthschaft Juli — August-Heft 1864 S. 91 und folgende. Der
Vergleich bezieht sich hier auch auf Wiesen und Anlagen im südlichen Frankreich.)
Will man aber dennoch den Vergleich für unsere Verhältniffe nicht gel⸗
ten lassen, so fragt sich, ob wir nicht einen andern Maaßstab finden können,
um danach das Quantum Wasser zu bemessen, durch welches unsern Wiesen
die erforderliche Feuchtigkeit gegeben wird. Denn zunächst handelt es sich
eben nur um die Feuchtigkeit. Es ist bekannt, daß trockene (d. h. unbewäs—⸗
serte) Wiesen bei übrigens gleichen Verhältnissen der Qualität nach besseres
Futter geben, als unsere Rieselwiesen, indem in den letztern durch übermäßige
Bewässerung in der Regel saure oder doch aufgeschossene und wenig gehalt—
reiche Gräser entstehen. — Ebenso ist bekannt, daß in nassen Jahrgängen
die trockenen Wiesen eben so reichliche Futtermengen hervorbringen, als die
dewässerten, ohne daß dadurch die Qualität des Futters wesentlich verliert.
Jedenfalls ist in einem feuchten Jahre das Product eines Morgens guter,
trockener Wiese mehr werth, als das Product eines Morgens Wiese, welcher
die hier übliche übermäßige Bewässerung erhalten hat. Es fragt sich nun,
wie groß ist die Wassermenge, welche bei uns in nassen Jahrgängen die
Natur den trockenen Wiesen spendet, um jenes Resultat hervorzubringen?
Die Niederschläge betragen bei uns im Jahresmittel 26,26“ auf den IF.:
in nassen Jahrgängen 31,3“ (s. S. 14); die Differenz ist also 5.224“.
Diese 5,24“ auf den IFuß repräsentiren (S,24/12 I44 1805) 11,278
Ebkf. Wasser auf den Morgen; und das ist also das Wasserquantum, wo—
mit die Natur dem Bedürfniß der trockenen Wiesen zu Hülfe gekommen
und womit sie das beste Resultat erreicht hat. Nun findet aber eine merk⸗
würdige Uebereinstimmung statt zwischen der eben angegebenen Zahl und
derjenigen, welche sich ergibt, wenn wir die 3.x 500 Cubit-Metres Wasser
pro Hectare, welche man in Spanien kauft, auf Morgen und Cubikf. redu⸗
eiren. Es ergibt dieß nämlich (1 Hectare — 3,3166 Preußische Morgen;
bMetre — 3,1862 Preuß. Fuß) 12,388 Cubikf. Wasser auf den Morgen.
            
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