Full text : Statistik und Verwaltung des Kreises Merzig im Regierungs-Bezirke Trier von 1815 - 1864

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die Praxis der Landwirthschaft ganz im Reinen, und es ist auch hier nicht
der Ort, sie zu lösen. Vielleicht läßt sich aber durch die folgenden Erörte—
rungen und thatsächlichen Momente wenigstens eine allgemeine Norm für
unsere Verhältnisse finden.
Das Wosser liefert dem Boden nicht allein die Feuchtigkeit, deren die
pflanzen zum Wachsthum bedürfen, und löst die im Boden befindlichen Pflau—
ennährstoffe, sondern es bringt auch; selbst Dungstoffe mit, die es auf den
Wiesen absetzt, und erwärmt — richtig angewandt — im Winter den Bo—
den. Viele Landwirthe calculiren daher: je mehr Wasser, desto mehr Dungtoffe,
 und können des Wässerns nie genug bekommen. Dabei wird aber
äbersehen, daß zu viel Feuchtigkeit auf die Qualität der Gräser nachtheilig
virkt und zu lange andauernde, namentlich zu spät in das Frühjahr hinein
ausgedehnte Bewässerung den Boden erkältet, statt ihn zu erwärmen, und
dadurch selbst der Quantität des Ertrages schadet. Denn erwärmen kann
das Wasser natürlich nur dann, wenn es selbst eine höhere Temperatur
jat, als die Luft. — Wo ist nun das Maaß und die Grenze? — Sie
vürden bald gefunden sein, wenn wir das Wasserquantum, welches wir auf
uinsere Wiesen bringen wollen, nach Fudern bezahlen müßten.
Fragen wir also doch nach, wo dieß der Fall ist? z. B. in Spanien.
In Lorca kauft man zu einer vollständigen Bewässerung auf die Hectare
300 Cubikmetres Wasser. Wer ganz ausreichend wässern will, gibt solche
Bewässerung drei Mal im Jahre, was durchschnittlich auf den Hectare 90
Fr., also auf den Morgen 23 Fr. — 6 Thlr. 4 Sgr. kostet. (conf. meine
Reiseberichte über Spanien in den „Annalen der Landwirthschaft“ Febr. —
März-Heft 1866. S. 232.) — Der Preis ist also nicht unerschwinglich,
ind die Grundbesitzer von Lorca, die auch zu rechnen verstehen, würden mehr
Wasser kaufen, wenn sie nicht wüßten, daß ein größeres Quantum sich nicht
centirt, daß die Pflanzen also nicht mehr bedürfen. Aber welche Pflanzen?
Es sind Cerealien und Gemüse; denn in Spanien bewässert man Gärten,
Felder, keine Wiesen, weil es deren — nicht gibt. Es läßt sich nun aller—
dings einwenden, daß der Vergleich nicht paßt, 1) weil die genannten Pflan⸗
jen mit unsern Wiesengräsern nicht dieselben Bedürfnisse haben; 2) weil
das Clima ein ganz verschiedenes ist; 3) weil bei jener Bewässerung allein
zuf Zuführung der nöthigen Feuchtigkeit, nicht auf die Zuführung von
Dungstoffen mit dem Wasser Rücksicht genommen sei. — Darauf ist zu er⸗
widern zu 1) daß alle Pflanzen, namentlich die verwandten Cerealien, mit
den Wiesengräsern im Allgemeinen dieselben Bedürfnisse haben — eine ge—
visse Quantität Wasser, welches sie selbst aufnehmen, und einen gewissen
Brad der Feuchtigkeit des Bodens, um die darin enthaltenen Pflanzennähr—
stoffe zu zersetzen. Zu 2 und 3 ist zu bemerken, daß man auch in Spauien
diel stärker wässert, wo Wasser im Ueberfluß vorhanden ist, z. B. bei Gra—
            
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