Full text : Statistik und Verwaltung des Kreises Merzig im Regierungs-Bezirke Trier von 1815 - 1864

Ackerbau, Viehzucht und Forstwirthschaft.
Es hat dieß Verhältniß offenbar seinen Grund in den vermehrten Be—
dürfnissen des Ackerbaues (an Dünger) und der Bevölkerung (an Milch und
Fleisch). Bedürfnisse, die durch die Vermehrung der Wiesen (s. oben) und
des Futterbaues glücklicherweise befriedigt werden konnten.
Außerdem hat aber auch die Verwendung von Rindvieh statt Pferden
zu den Feldarbeiten (besonders in den Bürgermeistereien Wadern und Weis—
kirchen) zugenommen.“) Denn während der Rindviehbestand von 1816 bis

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*) Die seit Jahren für den leichten Boden der genannten Bürgermeistereien einge⸗
bürgerte Ansicht, daß es für den kleinern Bauer vortheilhafter sei, Rindvieh statt Pferden
als Zugvieh zu verwenden, hat neuerdings selbst in der Gegend des Kalkgebirges An—
hänger gewonnen, wie der nachfolgende Auszug aus den Verhandlungen des landwirth—
chaftlichen, Casino's zu Hilbringen (1864) beweist.
Bei Besprechung über die Zweckmäßigkeit der Pferde- oder Ochsen- resp. Kuhbespan—
nung wurde für den Saargau der Satz festgestellt, daß es für den Mittelmann mit 30
bis 40 Morgen Land weit vortheilhafter sei, Kühe als Zugvieh zu gebrauchen, wie Pferde,
und dabei folgende Rechnung zu Grunde gelegt:
Zwei junge, fehlerfreie und kräftige Pferde kosten im Ankauf 250 Thaler, während
3 Kühe, wenn sie nicht grade frisch sind, 160 Thaler zu stehen kommen.
Drei Kühe werden mit demselben Futter gut genahrt, das zwei Pferde nöthig haben.
Das Anspannungsgeschirr für 2 Pferde kostet 24 Thlr.
* „ 3 Kühe 2Thlr.
Der Hufbeschlag jährlich ebenfalls à 2 Thlr. — 4 Thlr.
Die 3 Kühe reichen hin zur Bebauung eines Gütchens von 30 bis 40 Morgen,
haben aber auch damit genug zu thun.
Der Pferdebauer verdient nebenbei noch Einiges durch Arbeiten für Andere.
Dagegen liefern die Kühe pro Kuh und Woche nach dem Kalben etwa folgende
Erträge:
Monat nach dem Kalben Butter — saure Milch
1 und 2 5 Pfd.. 21 Töpfe.
3 2 4 17 16 2
5 6 12 tt
* * 8
9 — * 2 — 4
Zusammen gibt das ungefähr 130 Pfund Butter à 8 Sgr. und 520 Töpfe saure
Milch à 1 Sgr.

Butter 34 Thlr. 20 Sgr.
Milch 17 „10,
Summa 52 Thlr. — „
Für 3 Kühe macht das 3 mal 52 gleich 156 Thlr.
Für 3 Kälber à 5 Thlr. 3 mal 5 gleich 165 Thlr.
Summa 171 Thlr.
Diese 171 Thaler liefert das Kuhgespann zu der Arbeit, ist also ein Plus, das
oom Pferdebauer durch Tagelohn verdient werden muß.
            
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