154 Ackerbau, Viehzucht und Forstwirthschaft.
angenommen werden kann; und daß in manchen Gemeinden in abgetriebenen
Lohhecken (1864 etwa 380 Morgen) mit Roggen bestellt wird, wovon die Erträge
hei denen des Ackerlandes nicht mitgezählt sind.
Wenn nach diesen Betrachtungen wesentliche Bedenken gegen die pro
1864 mitgetheilten Zahlen der Brutto⸗Erträge des Ackerlandes nicht auffom—
men können, so fragt es sich, ob danach die Zahlen der Jahre 1831 —36 nicht
zu niedrig gegriffen sein müssen, wenn man annimmt, daß die Bevölkerung
(damals 28,000 S.) doch das gleiche Bedürfniß hatte. Indessen ist hierbei
der Ertrag der früher sehr ausgedehnten Wild-Ländereien und der Lohhecken,
don welchen damals eine weit größere Morgenzahl, als 1864, mit Getreide
oerschiedener Art, namentlich Roggen und Hafer, bestellt war, ebenfalls außer
Ansatz geblieben.
Dadurch wird denn das Bedürfniß der Bevölkerung, soweit die Erträge
des Ackerlandes selbst nicht ausreichten, gedeckt worden sein.
Die aus den oben angegebenen Verhältnißzahlen (Vermehrung der Pro—
duction 1 auf 2, des Acker-Areals 2 auf 3) sich ergebende Vermehrung der
Production pro Morgen Ackerland im Verhältniß von 3 (1831 36) zu 4
1864) erscheint den thatsächlichen Verhältnissen nach durchaus nicht als un—
wahrscheinlich. Was das oben erwähnte Verfahren betrifft, die Lohhecken
Eichenschäl-⸗Waldungen) mit Roggen zu bestellen, so ist darüber noch Fol—
zendes zu bemerken: Bis vor 15—20 Jahren war es in fast allen Ge—
meinde⸗ und erbschaftlichen Lohhecken des Kreises üblich, die eben abgetriebenen
Schläge zu „schiffeln“ und zu brennen und dann Roggen darin anzusüen.
Zu dem Zwecke wird die Rasennarbe abgehackt, auf kleine Haufen gesetzt
und mit Holzresten verbrannt, dann die Asche als Düngung verbreitet, mit
der Hacke, öfters auch mit einem leichten hölzernen Pfluge untergebracht und
hierauf in das so zubereitete Land Roggen, seltener Hafer gesät.
Auf diese Weise wurden früher in mehr als 30,000 Morgen Lohhecken bei
durchschnittlich Ijährigem Umtriebe jährlich 2000 Morgen Fläche für den
— DD
dacken und Pflügen manche Stöcke beschädigt, und daß dem Boden Kraft entzo⸗
zen wurde. Auf der andern Seite erschließt dagegen die Bearbeitung das Erd⸗
reich der Einwirkung (Zersetzung) der Luft, und das Abschneiden vieler jun—
gen Loden mit der Sichel bei der Korn-Erndte wurde selbst von Forstbeam—
ten nicht für nachtheilig gehalten, indem die Stöcke dafür alle im zweiten Jahre
um so kräftiger trieben. Ueberhaupt waren Landwirthe wie Forstbeamte
fast übereinstimmend der Meinung, daß jeder mögliche Nachtheil durch die
mittelst einer Körner-Erndte alle 15 Jahre erzielte Erhöhung der Bodenrente
reichlich aufgewogen würde. — Gleichwohl ist man in letzter Zeit wegen
der niedrigen Fruchtpreise und hohen Löhne fast allgemein von diesem Ver⸗
fahren abgekommen; und es wurden 1864 nur noch in Besseringen (29