Full text : Statistik und Verwaltung des Kreises Merzig im Regierungs-Bezirke Trier von 1815 - 1864

Ackerbau, Viehzucht und Forstwirthschaft.
Aus den obigen Zahlen würde folgen, daß sich in den letzten 30 Jah—
ren die Production im Verhältniß von 1 zu 2 vermehrt hat, während das
Areal des Ackerlandes nur im Verhältniß wie 2 zu 3 gewachsen ist. — Es
zleibt zu erörtern, ob die Richtigkeit der mitgetheilten Zahlen nicht zu Zweifeln
Anlaß gibt. Genaue Ermittelungen dieser Art stoßen in der That auf erheb⸗
liche Schwierigkeiten. Zunächst führt nur eine verschwindende Minderzahl
der Grundbesitzer Buch und Rechnung über die Erträge ihrer Wirthschaft;
und auch die Wenigen, welche es thun, sind selten geneigt, den Behörden
Finsicht davon zu gestatten. Letztere sind daher darauf angewiesen, ihre Er⸗
jebungen auf äußerliche, immerhin trügliche Wahrnehmungen zu stützen. Die
neuere Aufnahme (von 1864) hat den Vorzug, daß sie an die Ermittelungen
zei der Grundsteuer⸗-Veranlagung anlehnt und durch dieselbe controllirt wer—⸗
den konnte. Ueber das dabei beobachtete Verfahren ist Folgendes zu be—
merken: Nach den Berichten der Bürgermeister, welche diese Ermittelungen
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in jeder Gemeinde zu ermitteln, wie viel Morgen Ackerland mit dieser oder
ener Fruchtgattung bestellt gewesen sind. Sie hatten zu dem Zwecke bann⸗
kundige Personen einerseits zur Hand, welche angeben konnten: der und der
District war ganz oder zur Hälfte u. s. w. mit Roggen, Weizen, Kartof⸗
feln u. s. w. bestellt; andererfeits hatten sie die Cataster-Karten und Akten,
am zu ermitteln, wie groß genau der betreffende District ist und wieviel
Morgen daher im Einzelnen und im Ganzen auf die Cultur der einzelnen
Fruchtarten zu zählen waren. Demnächst wurde in ähnlicher Weise ermittelt,
wieviel Garben Frucht oder wie viele Säcke Kartoffeln in diesem und jenem
Districte der Morgen Ackerland gegeben; endlich wieviel Garben zum Er—
drusch von einem Scheffel erforderlich waren. Die Angaben der Vertrauensmänner
 controllirten sich gegenseitig und mit Hülfe der Catafter⸗Karten, wo⸗
rauf jetzt auch die Bonität jedes Districtes eingetragen ist. — Auf diese
Weise konnte ein ziemlich treues Bild der Production des Kreises erlangt
werden, und muß man bei consequenter und gewissenhafter periodischer Wie—
derholung solcher Aufnahmen in nicht zu langer Zeit zu einem ganz richti—
gen Resultate gelangen können. Ich glaube daher auch das vorliegende Ge—
sammt⸗Resultat für den Kreis als ein den wirklichen Verhältnissen ziemlich
entsprechendes ansehen zu dürfen, wenngleich zwischen den einzelnen Gemein—
den sich noch öfters Ungleichmäßigkeiten fanden, welche gegen die Genauig—
keit der Angaben Zweifel aufkommen, mich daher Anstand nehmen lassen
mußten, auch diese Details hier aufzunehmen. Das Gesammt-Resultat aber steht
in Uebereinstimmung mit anderweit feststehenden Annahmen und Ermittelun⸗
gen. Zunächst stehen die (a posteriori) aus den Gesammt-Erträgen und
mit Hülfe der Tabelle über die Boden-Arten und die Bestellungs-Weise er⸗
mittelten Durchschnittserträge in richtigem Verhältniß zu den oben mitgetheil⸗

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