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KAPITEL III
Saarbrücken seit 1815
Mit ängstlicher Spannung erwartete die ‘durch den
Krieg und die ständigen Requisitionen erschôpite, durch
Napoléons Sturz entmutigte und durch den Typhus hcimsesuchte
Saarbrücker Bevôlkerung die Besiegelung ihres
künftigen politischen Geschickes, das man wohl oder
übél resigniert annehmén musste, trotz aller Abneigung
gegen das Preussentum. Sie wurden « Musspreussen »,
wie alle Rheinländer.
Im Juli 1817 passierte Victor Cousin die Stadt Saarbricken,
als er nach Deutschland zog, um in dem durch
das Buch von Frau von Staël gepriesenen Lande des
[dealismus Philosophie zu studieren. Als er den Postwagen
verliess und'man ihn an der Sprache als Franzosen
erkannte, kamen die Leute auf ihn zu und bestürmten ihn
mit Fragen : « Was sagt man in Frankreich? Denkt man
noch an uns? Dem Leibe nach sind wir zwar preussisch.
aber im Herzen eut franzôsisch. »
Man wartete immer auf das Kommen der Franzosen.
Vor 1815 hatte man zu' Saarbrücken nicht die geringste
Beziehung zu Berlin, so wenig als zu Trier, Aachen o ler
Mainz. Darum betrachtete man die preussische
Herrschaët als etwas Auf- und Fingédrungeres und Uner-Frägliches.
Dér beriïhmte preussische Historiker L. von Sybel, der
seimen Bonner Lehrstuhl] im hyperpreussischen und
stramm antifranzôsischen Sinne verwaltete, musste doch
anerkennen, dass die Rheinländer unter der Revolution
und dem Kaiserreich beträchtliche Vorteile genossen
hatten : Denn die Revolution hatte Arbeit und Industrie