Full text : Rettet das Saarland !

77

Schmeicheleien wechseln sich ab, wobei die ersteren bisher in
der Ueberzahl geblieben sind. Die demütigende und beleidigende
Rede, die der General Garnier Duplessis vor den Behörden
in Saarbrücken gehalten hat, ist von der wehrlosen Bevölkerung
mit schweigendem Ingrimm aufgenommen worden, und täglich
wiederholen sich derartige Beschimpfungen, die der deutschen
Bevölkerung ihre völlige Wehrlosigkeit dartun, ihren Stolz bis
aufs letzte beugen und sie dem Willen der französischen Macht⸗
haber gefügig machen sollen.
Aber es fehlt nicht an mutigen Männern, die offen
erklären, Deutsche zu sein und aller sranzösischen Vergewalti⸗—
gung zum Trotze Deutsche bleiben zu wollen. In Saar⸗
brücken haben sich insbesondere sowohl der evangelische Geistliche
Ebeling, wie der katholische Pfarrer Schlicht in diesem
Sinne ausgesprochen, und die Bevölkerung hat ihnen voll
Begeisterung zugejubelt. Der Pfarrer de Haas in Saarlouis
ist noch weiter gegangen. Er erklärte in seiner Predigt,
Deutschland sei keineswegs besiegt, und als ihn darauf das
französische Kommando mit 700 Fr. Geldstrafe belegte — die
Milde der Strafe ist wohl auf den geistlichen Charakter des
Redners zurückzuführen — wiederholte er seine Erklärung,
worauf ihm dann eine längere Gefängnisstrafe zuerkannt wurde.
Und so wie diese Tapferen denkt fast die ganze Bevölkerung.
Trotzdem wissen die Pariser und Lothringer Blätter
täglich viel Rührendes von der heißen Sehnsucht des Vollkes
an der Saar und besonders der Bevölkerung von Saarlouis
nach einer Vereinigung mit Frankreich zu erzühlen. In Wirk
lichkeit ist es, wie gesagt, gerade umgekehrt. Die Bevölkerung
hat nur den einen Wunsch, in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen
zu können und endlich von den unerträglichen Bedrückungen
der Franzosen befreit zu werden, die nichts unversucht lussen,
um das Volk durch Orohungen, Quälereien und Schmeicheleien
zu gewinnen. Bisher sind alle Versuche der Franzosen er⸗
gebnislos geblieben. Verhaftungen angesehener Bürger, ver—
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.