Full text : Rettet das Saarland !

Saarbrücken nimmt, wie man sieht, unter allen Gliedern
des preußischen Staates insofern eine Sonderstellung ein, als es
der einzige Gebietsteil ist, der nicht durch Erbfolge, Abtretung
oder Eroberung an Preußen gekommen, sondern freiwillig An⸗
schluß an den preußischen Staãt gesucht hat, einer der ersten Fälle
des Selbstbestimmungsrechts der Völker, den die europäische
Beschichte kennt. Die vielfach gebrauchte Bezeichnung als
„Mußpreußen“ trifft also gerade auf die Saarbrücker Be—
pölkerung in keiner Weise zu. Ein besonders kennzeichnendes
Beispiel für den festen Willen zum deutschen Reiche auf
Seiten der Saarbrücker Bürgerschaft gibt neben den bereits
mitgeteilten Dokumenten auch die im Anhange veröffentlichte
Resolution aus dem Jahre 1815.
Seit dem Jahre 1815 ist das Saargebiet ununterbrochen bei
Preußen geblieben, und das schöne, reiche Land hat sich auch wirtschastlich
 in diesen hundert Jahren auf das erfreulichste entwickelt.
Die Saarbrücker Kohlengruben umfassen zu Zeit ein dem preu—
zischen Fiskus zustehendes Berechtigungsseld von 1109,23 qkm,
und zwar den ganzen Kreis Saarbrücken, den Hauptteil der
Areise Ottweiler und Saarlouis und außerdem noch Teile der
Kreise St. Wendel und Merzig. Die Kohlenförderung, die
im Jahre 1816 rund 100000 Tonnen betrug, war im
Jahre 1910 auf rund 12 Millionen, die Zahl der be—
schäftigten Bergleute von 900 auf 53 000 gestiegen. Von
diesen Kohlenmengen werden etwa 150/0 von den Gruben
selbst verbraucht, einschließlich des Uebergewichtes und der
Waschverluste, etwa 250/0 werden zur Kokserzeugung im
Saarrevier verwendet, und etwa 50/0 in der unmittelbaren
Nachbarschaft zu Wagen abgesetzt. Von den übrigen 55/
der Erzeugung geht über die Hälfte nach Süddeutschland,
das in der Versorgung seiner Gasanstalten, aber auch be—
züglich seines Hausbrandes nahezu vollständig vom Saar⸗
revier abhängig ist. Den Rest der Saarkohle befördert die
Bahn in die benachbarten Teile der Nheinprsvinz, also nach
            
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