spielte sich der Betrieb, wie vorhin geschildert, meistens auf der
Straße ab, ebenso bei vielen anderen viel beschäftigten Hand—
werkern, wie Schlossermeister Baum in der Hintergasse, Küfer—
meister Jacob in der Talstraße, Stellmacher Buͤch am
Ludwigsplatz usw.
Zu der Zeit war man noch nicht so empfindlich, ob hier—
durch der Straßenverkehr, der übrigens noch sehr schwach war,
auch mal gehindert wurde oder nicht, das ging niemand etwas
an, es genierte auch keinen. Die Meister von damals glaubten
ihr volles Recht dazu zu haben; derselben Ansicht war auch
das Publikum. Andere Zeiten, andere Sitten! Wenn heute
einmal nach 9 Uhr vormittags noch ein leerer Kehrichteimer
auf der Straße steht, kommt der Schutzmann!
Bürgersteige im heutigen Sinne gab es in Saarbrücken
damals noch nicht, auch noch keine Bordsteine und Pflaster—
steine wie heute. Die Straßen waren mit größeren und die
Vorplätze vor den Häusern mit kleineren sogen. Findlingen,
die auf dem Banne von Malstatt gesucht wurden, sogenannten
Spitzwacken gepflastert oder, wie man damals sagte, poweit. Der
breite Teil des Vorpflasters auf der Südseite der Talstraße
vor der „Stadt Straßburg“ und den rechts und links an—
schließenden Häusern ist bis an die Fahrbahn noch heute mit
diesem Spitzwackenpflaster versehen.
Ein großer Teil der heutigen Industriellen bezw. Fabrik—
befitzer ist aus intelligenten Handwerkern, welche seiner Zeit
als Handwerksburschen die Welt durchreisten und die auch
keine weitere Schulbildung als die der Elementarschule er—
halten hatten, hervorgegangen. Ebenso war es bei der Kauf⸗
mannschaft. Nur wenige hatten eine höhere Schule besucht
zur Erlangung des Zeugnisses zum einjährig—-freiwilligen
Dienste. Dies brachten die damaligen Zeitverhältnisse mit
sich. Die mittleren Beamten waren nicht so besoldet, daß sie
ihre Söhne hätten studieren lassen konnten, die Handwerker
bei dem damaligen kleinen Verdienst, der nur eben zum
Lebensunterhalte ausreichte, konnten es erst recht nicht. Einen
gewissen Handwerkerstolz trugen unsere Saarbrücker Hand—
werksleute aber stets zur Schau. Sie konnten übrigens aber
auch stolz auf das Handwerk sein. Der Maschinen- und
Massenbetrieb pfuschte ihnen damals noch nicht in das Hand—
werk. Alles wurde von den Handwerkern in ihren Werk—
stätten angefertigt. Die gediegensten Möbel, wahre Kunst—⸗
arbeiten, wie wir sie heute nur noch in alten Patrizier⸗
häusern und Museen bewundern können, gingen aus ihren
Werkstätten hervor. Ich erinnere ferner an die Kunstschmiede—
und ⸗schlosserarbeiten. Alle Sachen, die heute die Eisenhändler
in so mannigfacher Art verkaufen, mußten von der Hand ge⸗