verschoben hat, zu berichten. Die oberen Zehntausend unserer
Vaterstadt, deren Lebersweise ich nicht kennen gelernt habe,
mögen vielleicht eine andere Anschauung von dem da—
maligen Leben erhalten haben.
Es gibt heute viele Menschen, die in Anbetracht des heutigen
ruhelosen Hastens und Treibens und des Kampfes ums Dasein,
sowie der teuren Verhältnisse, in denen wir leben, sich die
guten alten Zeiten zurückwünschen. Käme die Zeit aber in
Wirklichkeit, so würden sie sich in ihrer Enge und Beschränkt—
heit herzlich unglücklich fühlen. Wer die fruͤheren Zeiten nicht
mitgemacht hat, wird manches nicht begreifen koͤnnen und,
je mehr Zeit verfließt, je größer der Abstand zwischen den
damaligen und heutigen Zeitverhältnissen wird, desto schwie—
riger wird das Verstaͤndnis sein für jene Zeit.
Die Alten aber aus jener Zeit, die die Entwickelung und
den Aufschwung der Industrie und des Handels, das Auf⸗
blühen der Städte und Dörfer; die Ausdehnung und Ver—
mehrung des Verkehrs, das Aufblühen von Kunst und Wissen⸗
schaft und die Verbesserung der Schulen sowie die Erfindungen
der letzten 50-60 Jahre miterlebt haben, werden den Unter—
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Meine einfachen Schilderungen wollen nur das Bild von
„anno dazumal“ in flüchtigen Strichen festhalten, sie wollen
den Alten eine vielleicht liebe Erinnerung an die Jugendzeit
erwecken, unserer heutigen Generation aber zeigen, zu welcher
Entwicklung rastloses Streben führt und wie aus ehemaligen
beschränkten kleinstädtischen Verhältnissen unsere Gemeinde—
wesen zu Macht und Ansehen erblüht ist im Schutze des ge⸗—
einten Reiches, das mancher unter uns mit vor den Toren
unserer guten alten Stadt Saarbrücken erstreiten half. Rastlos
rauscht der Strom der Zeit dahin, Altes und Vergangenes der
Vergessenheit preisgebend, auf Vergangenem aber baut die
Zeitgeschichte guf, und es ist vielleicht doch kein nutzloses
Streben, die Erinnerung am Alten wachzuhalten, um das
Neue richtiger verstehen und würdigen zu können. Hierzu zu
einem bescheidenen Teile beizutragen, war der Wunsch, der
diese Alt-Saarbrücker-Erinnerungen entstehen ließ.
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