erstes Turnfest hielten wir auch auf diesem kleinen Platze
unter ganz bescheidenen Umständen ab. Der kürzlich ver—
storbene Turner Julius Müller, welcher jetzt im Ehrentale
ruht, hielt hierbei die Festrede.
Dieser Turnplatz auf dem Hexenberg war sehr beschränkt
und nur ein Notbehelf. Die Stadt Saarbrücken, deren Väter
der Turnsache sehr geneigt waren, hauptsächlich der Stadt—
verordnete Kreisbaumeister Benzel, gestattete uns, daß wir auf
dem freien Platze, da, wo heute das Schulhaus neben dem
Strantz'schen Garten steht, unsere Turngeräte aufstellen
durften. Später gestattete uns die Stadt, auf dem Spielplatz
des großen Schulhauses neben der gedeckten Reitbahn eine
Turnhalle zu errichten und überließ uns gleichzeitig eine
Anzahl Pappelbäume, welche an dem Feldwege, der von der
Straße zwischen alter und neuer Bremm nach dem Drahtzuge
abzweigt, standen, als Bauholz. Den Fuhrlohn und das Auf—
und Abladen hatte der Turnverein zu tragen. Die Kosten des
Turnhallenneubaues betrugen etwas über 2000 Taler. Sie
wurden durch Anteilscheine gedeckt, die später zum größten
Teil dem Verein geschenkt worden sind. Bei dem Turnhallen—
bau halfen wir Turner kräftig mit; da ein großer Teil der
Turner Handwerker war, so gingen wir Sonntags morgens
vor 5 Uhr nach der Stelle, wo die von der Stadt geschenkten
Pappelbäume lagen, halfen diese aufladen und nach der Bau—
stelle bringen; die Fuhren wurden unentgeltlich von den
Brauereibesitzern Pabst und Karcher in St. Johann gestellt.
Der Turnhallenbau wurde dem Zimmermeister Immig über—
tragen, dem wir ebenfalls noch Hilfe leisteten; auch die Ziegel
schafften wir auf das Dach und deckten sie mit Hilfe eines Dach—
deckers ein. Im Spätsommer hielten wir dann unser zweites
Turnfest in der Turnhalle bezw. auf dem Platze vor dem
Schulhause ab. Hierzu kam der Obersteiner Turnverein in
fast voller Stärke an. Das Ganze schloß mit einem Balle, der
im Plager'schen Saale abgehalten wurde, ab.
Unter unserm ersten Vorsitzenden Rechtsanwalt Dietzsch
blühte der Verein mächtig auf. Wir hatten auch eine Gesangs—
abteilung unter dem Lehrer Schiffbauer; pöchentug hielten
wir zwei Proben in seinem Schulsaale ab. Es wurde nun
fleißig geturnt, Turnfahrten unternommen und Versamm—
lungen mit belehrenden und patriotischen Vorträgen abge—
halten. Bei einem der letzten Vorträge, den unser Vorsitzender
Anwalt Dietzsch hielt, kam er darauf zu sprechen, daß Frank—
reich unter Napoleon III. infolge des österreichisch-italienischen
sKrieges von 1859, die beiden nee Savoyen und Nizza
annektiert hätte, gerade so, wie seiner Zeit Ludwig XIV.
Straßburg geraubt habe. Er schloß mit den Worten: „Es