Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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zösischen Freundlichkeit forderten zirka “/s des Preises vor, von
dem sie sich dann wieder etwas abhandeln ließen. Wenn dann
die Käufer nach Hause kamen, meinten sie, sie hätten um ?70
billiger gekauft als zu Hause. Außerdem trugen sie noch das
Risiko des Schmuggelns; denn verzollt wurde höchst selten.
Trotzdem das Schmuggeln unter Strafe gestellt war, die
unter Umständen recht hoch war, wurde es von den Grenz⸗
bewohnern nicht als Sünde betrachtet. Wer etwas in Metz
oder Forbach einkaufte, brachte es nach der alten Bremm,
welche damals hart an der Grenze auf französischem Gebiete
stand. Von dort wurde es dann durch Feldarbeiter und
andere herübergeschafft.
Allmählich entstand auch ein reges Vereinsleben;
es bildeten sich der Schützenverein, Gesangverein Germania,
Sängerbund ünd andere Vereine. Im Jahre 1860 wurde
der durch die Wirren von 1848 lahm gelegke Turnverein
von 1848 durch Anwalt Dietzsch und andere patriotische
Männer, wie Germann, Ferd. Garelly sen. Helmbach, Kon—
rad Herrmann, Jul. Müller, Heinr. Siebert, L. Mohr und
andere wieder ins Leben gerufen. Fast die gesamte männliche
Jugend und auch die früheren Mitglieder traten mit Be—
geisterung bei. Anwalt Dietzsch, der zum ersten Vorsitzeden
gewählt wurde, nahm sich der Turnsache mit Liebe und Eifer
an. Die Turnvereine waren 1848 als demokratische Vereine
von der Regierung aufgelöst und verboten worden. Welcher
Unterschied zwischen damals und heute! Nunmehr wird von
oben herab das Turnen und alle Bestrebungen, die der Kräf—
tigung und Jugenderziehung nach Verlassen der Schule förder—
lich sind, die größte Aufmerksamkeit und Unterstützung zuteil.
Der Staat beteiligt sich selber an diesen Bestrebungen, indem
er den kleineren und minder bemittelten Turnvereinen Geld⸗
unterstützungen zur Anschaffung von Turngeräten gibt. So—
gar Jugendwanderabteilungen sollen auf Veranlassung des
Kriegsministeriums Unterkunft in Exerzierhäusern und bei
perfuͤgbarem Raume auch in den Kasernen gewährt werden.
Turner und Wandergruppen dürfen in den Kantinen Ver—
pflegungsmittel kaufen.
Da wir noch keinen Turnplatz hatten, so räumte uns Herr
Gerbereibesitzer Schneider in St. Johann vorerst eine Wiese
in St. Johann hinter seinem Gerbhause ein, auf der wir
noch ohne Geräte unsere ersten Turnübungen, die natürlich
nur in Freiübungen, Aufstellungen und Marschieren bestanden,
veranstalteten. Daun mieteten wir auf dem Hexenberg in
der Spichererbergstraße einen kleinen Platz. Hier erbauten
wir ein Turngeruͤst nebst Reck und Barren — mehr Geräte
hatten wir nicht — und turnten dann fleißig drauf los. Unser
            
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