und die Fuhrleute der Stadt hätten dann nichts mehr zu
fahren, ebenso die Frachtfuhrleute, weil dies alles von der
Fisenbahn besorgt wurde. Später merkten die Leute, wie töricht
sie waren, und, als dann der Kanal gebaut bezw. die Saar
kanalisiert wurde, sollen die Saarbrücker erklärt haben —
wie die St. Johanner spöttisch bemerkten — „diesmal sind
wir aber nicht so dumm wie beim Bau des Bahnhofs, jetzt
wollen wir als Entschädigung für damals den Leinpfad auf
unsere Seite haben.“ Ob das letztere richtig ist, möchte ich be—
zweifeln.
Mit der Eisenbahn hielt der Geist der Neuzeit in unserm
weltentrückten Saartal seinen Einzug. Nach und nach begann
die In dustrie sich in Saarbrücken und Umgegend zu heben.
Unternehmende Luxemburger und Belgier bauten das Bur—
bacher Hüttenwerk; Franzosen sollen auch daran beteiligt sein.
Das Werk fing klein an und gebrauchte viele Jahre, bis es
zu seiner heutigen Ausdehnung und Vollkommenheit gelangt
ist. Ausgangs der fünfziger Jahre errichtete eine Privatgesell—
schaft, die fuͤr Saarbrücken und St. Johann gemeinschaftliche
Gasfabrik auf St. Johanner Bann, da, wo sie heute noch steht.
Später ging das Gaswerk in das Eigentum der Stadt St.
Johann über, und Saarbrücken baute sich ein besonderes
Gaswerk. Beide Betriebe liegen jetzt still, weil das Gas von
dem Brebacher Hüttenwerk bezogen wird. Dann wurde das
Brebacher Hüttenwerk erbaut. Vor allem aber vermehrten
aund vergrößerten sich infolge des Bahnbaues und des dadurch
vermehrlen Kohlenbedarfs für die Lokomotiven die bergfis—
kalischen Kohlengruben. Die Zahl der Beamten und Privat—
angestellten nahm in beiden Städten fortwährend zu. Nach
Wohnungen herrschte Nachfrage, und die Baulust fing an, sich
zu heben, zuerst in St. Johann, das infolgedessen Saarbrücken
uͤberflügelte, trotzdem es diesem, wie schon eingangs erwähnt,
früher nachstand. Der Geschäfts- und Handwerkerstand hob
sich zusehends. Es entstanden die ersten Manufakturwaren—
häuser in St. Johann, wie Rothschild, Brach, Gebr. Lyon u. a.
in der St. Johanner Bahnhofstraße, welche sich zumteil mit
der Zeit zu Großhandlungen emporgeschwungen haben.
Die Leute gingen nun nicht mehr nach Forbach zum Ein⸗
kauf. Viele Einwohner unserer Städte hatten früher die An—
gewohnheit, Kleider und dergleichen in Forbach zu kaufen,
krotzdem sie die Sachen bei den hiesigen Geschäftsleuten grade
so gut und billig wie in Forbach bekamen. Allein sie suchten
einen Vorwand, des Sonntags einen Spaziergang oder später
auch eine Bahnfahrt nach Forbach zu machen; daselbst gab
es guten, billigen Rotwein mit Rahmkäse und französischem
Kranzbrot. Die Forbacher Geschäftsleute mit ihrer fran—