Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

natürlich so eng wie nur möglich umstand, stob ängstlich aus—
einander. Die Spritzen der Nachbargemeinden kamen in
tollem Galopp an, aber in der Regel zu spät; das Feuer war
bereits gelöscht, so daß, mit Ausnahme eines Wachkommandos
mit einer Spritze, die Löschenden wieder abrücken konnten.
Nun ging es in die Wirtschaften, wo das Ereignis noch—
mals gründlich besprochen und Vermutungen angestellt
wurden, wie der Brand entstanden sein könne. Im Laufe des
Tages aber pilgerten Alt und Jung, auch die, die nachts beim
Löschen geholfen oder zugesehen halten, nochmals zur Brand⸗
ttelle, um sich diese und auch den Schaden bei Tage zu besehen.
So ungefähr sah es vor 50—60 Jahren in uünserer Stadt
Saarbrücken und der damaligen Schwesterstadt St. Johann
bei einem größeren Nachtbrande aus. Im Sommer 1868
waren wieder zwei große Brände zur Tageszeit, einer in
St. Johann, wo die Bierbrauerei Wilt abbrannle, der andere
in Saarbrücken in der Hintergasse, woselbst mehrere Häuser
abbrannten und ein Buͤrger, der Schlossermeister Wagner,
beim Löschen tödlich verunglückte. Bei dem letzteren Brande
lief ich mit einem Lehrkollegen — wir waren gerade bei einem
Neubau in der Bahnhofstraße in St. Johann beschäftigt —
weg. Wir wateten mit aufgeschürzten Hosen durch die Saar
und, als wir da, wo die Marktschiffe anlegen, am Saarbrücker
Ufer ankamen, wurden dort gerade die Feuereimer abge—
laden. Der Kaufmann Schriever aus der Neugasse, welcher
dabei war, hielt uns mit dem Bemerken fest: Kommt her,
ihr Jungens, ihr seid ja doch naß, ihr könnt die Feuereimer
füllen.“ So standen wir nun stundenlang bis an die Hüften
im Wasser und nahmen die leeren Eimer ab, füllten sie und
reichten sie ans Ufer, von wo aus sie durch die Reihen nach der
Brandstelle befördert wurden. Zwar verlangten wir immer,
abgelöst zu werden; man ließ uns aber nicht aus der Saar
und vertröstete uns damit, das Feuer sei gleich vorüber. Wir
mußten also bis zu Ende aushalten. Die Arbeit war für
uns junge, kräftige Lehrbuben nicht so schlimm; auch war
das Wasser warm, denn es war im Hochsommer, aber wir
wollten aus Neugierde zur Brandstelle und uns die Geschichte
auch ansehen.
Als anfangs der fünfziger Jahre die Eisenbahn ge—
baut wurde, sahen die Saarbrücker — wie die Sage geht —
dieses Unternehmen als einen großen Schaden für ihre Vater—
stadt an. Man wehrte sich gegen den Bau des Bahnhofs auf
Saarbrücker Seite; den sollten die St. Johanner behalten.
Dabei wußte man gegen die Bahn weiter nichts einzuwenden,
als die faulen Ausreden, unsere schönen Wiesen würden
ruiniert, alle Fuhrmannsherbergen müßten zugrunde gehen
            
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