Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

auf und ging die Nacht nicht mehr zu Bett, sondern sah nach,
ob auch die Wasserbütten gefüllt waren, und ob im eigenen
Hause nichts passieren köñnte, durch Funkenflug und der—
gleichen. Die Dachfenster waren damals noch mit kleinen
Holzschindeln bekleidet, und kam es dann manchmal vor, daß
dieselben durch Funkenflug Feuer fingen.

Kein Wunder, daß sich der gesamten Stadt eine riesige
Aufregung bemächtigte. Wer konnte, stürzte nach der Brand—
stelle. Keiner wollte der Letzte sein, teils aus Hilfsbereitschaft
heim Löschen, mehr jedoch beim Retten der Mobilien, was
weniger gefährlich und anstrengend war als das Feuerlöschen,
teils auch aus Neugierde, denn so etwas bekam man nicht alle
Tage zu sehen. An der Rettung der Mobilien aus dem
brennenden Hause sowie auch aus den Nachbarhäusern, welche
nicht brannten, beteiligte sich, wer nur konnte. Es scheint dies
ein altes Herkommen noch aus früheren Zeiten gewesen zu
lein, als man noch keine Feuerversicherung hatte und der
Abgebrannte keinerlei Entschädigung erhielt. Die Feuerwehr
ging an das Löschen des Brandes. Die übrigen Leute gingen
bei einem starken Brande sofort an das Ausräumen, auch der
Nachbarhäuser, indem sie annahmen, der Brand könnte sich
auch auf diese erstrecken. Alle Möbel und Betten wurden auf
die Straße geschafft und weit von der Brandstelle entfernt.
Sogar Oefen wurden ab und zu abgebrochen und aus dem
Hause gebracht. In sinnloser Weise wurden oft Sachen, die
man über die engen Treppen nicht hinunter schaffen konnte,
zum Fenster hinaustransportiert. Ich entsinne mich von
einem Brande in St. Johann, wie ein Kleiderschrank aus
einem Nachbarhause, das gar nicht in Gefahr war, vom Stock⸗
werk aus auf einer Leiter nach der Straße gebracht wurde.

Da noch keine Hochdruckleitung vorhanden war, so
konnten die wenigen schwach laufenden Brunnen, über die
Saarbrücken damals verfügte, bei einem großen Brande nicht
piel nützen; daher wurden, nachdem endlich die Spritzen und
sonstige Feuerlöschgeräte mit den Spritzenmännern und die
Wagen mit den Feuereimern auf der Brandstelle angekommen
waren, große Waschbütten aus den Nachbarhäusern herbeige—
holt und neben den Spritzen aufgestellt. Dann wurde der In—⸗
halt der Wasserbütten aus den Häusern herbeigeholt und in
die Waschbütten entleert. Dies war äußerst interessant zu
sehen, wie die Frauen und Jungfrauen im Geschwindschritt,
o schnell sie konnten, mit der Wasserbütte auf dem Kopf, an⸗
kamen. Viele aber erreichten das Ziel gar nicht, indem sie
im Gedränge durch Stoß usw. ihre Bütte vorzeitig auf der
Straße entleerten; ausgelacht von den andern, zogen sie mit
            
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