Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Licht in die nach der Straße zu gelegenen Fenster zu stellen,
zur besseren Beleuchtung der Sträße. Woher sollte nun aber
der gewöhnliche Bürger schnell die Lichte nehmen? In der
Haushaltung waren höchstens 2—538 Lichte vorhanden. Diese
Vorschriften waren aber wegen Fehlens einer Hochdruck—
leitung und der schlechten Straßeubeleuchtung durchaus
notwendig.
Die Pflichtfeuerwehr, wozu alle sich eignenden Bürger
herangezogen wurden, umfaßte 8 Abteilungen, die nicht uni—
formiert, aber durch entsprechende farbige Binden, die am
linken Oberarm getragen wurden, kenntlich gemacht waren.
Sie hatte eine Staͤrke, allein für Saarbrücken, von 548 Mann.
Von den 548 Bürgern der Stadt Saarbrücken, welche vor
60 Jahren unsere Feuerwehr bildeten, leben heutée noch unter
uns die Herren: Ferd. Garelly sen., — Ludwig
Schmidt, Schuster, Friedrich Schultz, Küfer, Philipp Freuden—
berger, Rentner und Matth. Quast, techn. Sekretär a. D.
Diese Feuerwehr hat sich ebenfalls nicht bewährt und hatte
deshalb auch keinen langen Bestand. Ein größerer Brand,
der in der Nacht vom 10. auf 11. August 1862 in der Ober—
torstraße in St. Johann ausbrach und bei dem durch das
Fehlen jeglicher Rettungsapparate sechs Kinder und das
Dienstmädchen des Bäckermeisters Brenner verbrannten, war
die Veranlassung zur Auflösung der alten und Bildung der
jetzigen uniformierten Freiwilligen Feuerwehren von Saar—
hrücken und St. Johann, die durch andauernde Ausbildung
durch hervorragende Führer und Verbesserung der Geräte
und Apparate auf ihrer jetzigen Höhe angelangt sind. Für
die heutige Generation dürfte die Beschreibung der Löschung
eines Brandes aus der guten, alten Zeit ein besonderes
Interesse haben.
Sobald ein Brandausbruch bekannt wurde, liefen die
Feuerläufer, welche sämtlich der ehrbaren Schneiderzunft an—
gehörten, meistens aber selbst nicht wußten, wo es brannte —
denn, wenn man frug, wo es brenne, bekam man häufig die
Antwort: „Ich weiß es nicht!“ — nach allen Richtungen der
Stadt und schrien, so laut sie konnten: „Feuer, Feuer, es
brennt!“ Aber nicht genug damit. Alles, Jung und Alt, ließ
alles stehen und liegen, fing zum Teil auch zu laufen an und
schrie ebenfalls: „Feuer, Feuer, es brennt!“. In der Nacht kam
noch hinzu, daß die Nachtwächter auf ihren Ochsenhörnern
(Feuertuten) bliesen. Sodann wurde bei Tag und auch bei
Nacht auf allen Kirchtürmen „gestürmt“, wozu besondere
Leute bestimmt waren, die in Gemeinschaft mit den Glöcknern
in schnellem Tempo auf die Glocken hämmerten. Das Ganze
hörte sich, hauptsächlich des Nachts, schauerlich an. Alles stand
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.