Menn wir fünfzig bis sechzig Jahre zurückdenken und
einen Vergleich ziehen mit der heutigen Zeit, wie so ganz
anders kommt uns dann das heutige Leben in unserer lieben
Heimatstadt Saarbrücken vorl! Die heutige Generation der
GBroßstadt wird sich kaum eine richtige Vorstellung davon
machen können, wie es Anfangs der fünfziger Jahre in dem
kleinen Landstädtchen Saarbrücken aussah, wie aber jedermann
zufrieden und genügsam mit den damaligen Verhältnissen
war und es sich auch nicht besser wünschte.
Ein atemloses Hasten und Drängen, ein Vorwärts auf
allen Gebieten des praktischen Lebens, die Sucht nach Geld—
erwerb, dies alles gab es noch nicht, es war auch keine Gelegen—
heit dazu vorhanden. Man war zufrieden, wenn man das
Jahr über schlecht und recht gelebt hatte, seine damals sehr
mäßigen Steuern bezahlen konnte und keine Schulden gemacht
hatte. Die Hauptsteuerlast für den Mittel-bezw. Handwerker—
stand war zu der Zeit das Schulgeld, welches noch für die
Volksschulen erhoben wurde. Heuteé kennt man so etwas nicht
mehr. Der Unterricht in den Volksschulen ist frei, die Kosten
desselben werden von den Gemeinden getragen. Ich spreche
hier allerdings nur von der Allgemeinheit, dem mittleren
Bürgerstande und dem Stande der Handwerker. Ausnahmen
gab es wie überall ja auch schon in jener Zeit.
Es herrschten in dieser Zeit noch ganz andere Zustände in
manchen Dingen. Das Zeitalter des Dampfes begann erst;
es gab hier noch keine Eisenbahn. Die Strecke Bexrbach—
Forbach wurde im Jahre 1882 dem Verkehr übergeben.
Auch noch keine Telegraphen gab es, noch viel weniger
Telephon und dergleichen. Unsere Jugendzeit verlief damals
vdiel sorgloser als heutzutage, sowohl für die Eltern als auch
für die Kinder. Man brauchte noch nicht so viel zu lernen.
Daß kleine Beamten, Geschäftsleute oder sogar Handwerker
hre Söhne studieren ließen wie heutigen Tages, kam sehr
selten vor, schon der Kosten wegen; auch gab es später sehr
venig Gelegenheit, diese Kenntnisse zu verwerten. Die
industriellen Beamtenstellen, waren kaum vorhanden. Die
wenigen Beamtenstellen beim Staats- und Gemeindewesen