Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

wurde gleich Lärm geschlagen und alles abgesucht; er war je—
doch nicht zu finden. Während sie ihn, sogar mit Hilfe von
Soldaten süchten — da er ja die Fußfessel noch trug, glaubte
man ihn bald zu haben — lag er im Garten nebenan, gut ver—
steckt, bis zum Dunkelwerden. Dann ging er nach dem
Schanzenberg, woselbst die Brücke über die Saar fuͤr die
Eisenbahn Saarbrücken —Forbach im Bau war, und brach
in die Schmiede, die der Schmied L. Knipper zum Schärfen
des Geschirres der Arbeitsleute errichtet hatte, ein und ent—
ledigte sich dort seiner Fesselung, worauf er verschwand.

Er trieb sich nun wieder in der Gegend herum und lebte
wie früher von Diebstahl. Hauptsächlich nahm er den essen—
tragenden Kindern und Weibern wieder die Essenkörbe ab.
Von nun ab trieb er sich mit einer großen Räuberbande herum.
Es getraute sich fast niemand mehr in den Wald, aus Furcht
vor dem „Geisediebel“ und seinen Spießgesellen. An ver—
schiedenen Stellen fand man mit Kreide angeschriebene Sprüche
à la Schinderhannes, die mit „Geisediebel, Rääuberhauptmann
pon Saarbrücken“ unterzeichnet waren. Hierdurch wurde die
Furcht vor ihm noch vergrößert. Wie sich später heraus—
stellte, war unser „Geisediebel“ kaum im Schreiben bewandert.
Die Inschriften rührten alle von Spaßmachern her. Ihren
Zweck hatten sie aber erreicht; er war von nun an „Hans
Dampf in allen Gassen.“
Zum zweitenmale wurde er durch Verrat eines Ver—
wandten gefangen, während er bei Wehrden über die Saar
fuhr; als er am jenseitigen Ufer ankaim, sprang unser be—⸗
kannter Schneefeld mit noch zwei Mann aus dem Fähr—
häuschen, wo sie sich versteckt gehalten hatten, herbei und
nahm ihn fest. Er leistete gar keinen Widerstand.
Vom hiesigen Schwurgerichte wurde er später zu lebensläng⸗
licher Zuchthausstrafe verurteilt. Das war die Geschichte von
dem Saarbrücker Räuberhauptmann „Geisediebel“, die an—
fangs der fünfziger Jahre eines der Hauptereignisse von Saar—
s en war und alle Gemüter längere Zeit in Aufregung
ielt.

In unserer kleinstädtischen Zeit, Anfangs der fünfziger
Jahre, gab es nur wenige Staats- und Privat—
beam ten in Saarbrücken. Man konnte sie zählen. Ein Ver—
gleich zwischen einst und jetzt ist sehr interessant.
Im Jahre 1852 bestand das Personal des Saarbrücker
Postamtes aus dem Postdirektor Offermann, Offizier der
franzöfischen Ehrenlegion, Postsekretär Leon, Postexpedienten
Ulisch, Postgehilfe Mittnacht, Posthalter Guépratte, Brief—
            
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