Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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gleich erkannten Täter zu fassen. Er flüchtete sich in den Wald,
in dem er sich längere Zeit versteckt hielt, und wohnte miit
seinem Hunde in einer bis dahin nicht bekannten Höhle; da
er jedoch essen und trinken mußte, so nähm er von Zeit zu Zeit
Weibern oder Kindern, die ihren Angehörigen des Mittägs
das Essen nach den Gruben brachten, den Essenkorb mit dem
Inhalte und verschwand damit im Walde, sonst tat er nie—
mand was zu leide. Dies tat er wochenlang, ohne daß man
ihn fassen konnte, trotzdem er eifrig verfolgt wurde. Hierdurch
wurde er jedoch immer gefürchteter und zum Schrecken der
Gegend. Endlich gelang es, ihn im Schlafe am hellen Tage zu
überraschen. Er hatte sich auf einem Feuer, das vor der Höhle
brannte, sein Mittagessen bereitet und verzehrt und hielt num
im Innern seiner Hoͤhle sein Mittagsschläfchen; das Feuer
glimmte jedoch noch fort, der aufsteigende Rauch wurde ihm
zum Verräter. Der Saarbrücker Polizeidiener Schneefeld, der
mit seiner Verfolgung beauftragt war, hat ihn im Verein mit
noch einem Forstgehilfen, nachdem letzterer seinen Hund er—
schossen hatte, überwältigt und gefangen genommen. Der ge—
nannte Polizeidiener trieb sich längere Zeit als Metzger ver—
kleidet, in der Gegend herum, als wenn er auf den Handel
ginge. Auf die Ergreifüng des „Geisediebels“ war eine Be—
lohnung von 100 Talern gesetzt, die sich Schneefeld verdiente.
Der Wilddieb wurde auf einem Leiterwagen gesetzt und da—
rauf festgebunden; er war ein schlecht genährter, magerer
Mensch und. dazu noch lahm, der nichts weniger als furchtbar
aussah. Wir waren ordentlich enttäuscht, als wir das
Männchen sahen; wir hatten uns einen Räuberhauptmann,
als welcher er verschrieen war, ganz anders vorgestellt. Der
Polizeidiener Schneefeld, der läügere Zeit von hier abwesend
war und sich den Bart hatte abnehmen lassen, saß in seinem
Metzgerkostüm neben ihm. Wir Jungens liefen hinter dem
Wagen her, bis der „Geisediebel“ vom Wagen losgebunden und
im Innern des Gefängnisses verschwunden war.
Trotzdem er aber mit Fußeisen gefesselt war, brach er in
kurzer e aus der Prison wieder aus. Zu damaliger Zeit
waren noch nicht viele Beamten im Gefängnis angestellt.
Außer dem Verwalter waren zwei Aufseher, und ein Pförtner
vorhanden. Einer der Aufseher, ein schon bejahrter Mann,
ließ eines Tages, als der „Geisediebel“ im Hofe spazieren ge—
führt wurde, wobei er nur kurze Schritte machen konnte, da
er eine Eisenstange zwischen den Füßen hatte, aus Versehen
den Schlüssel im Hoftor stecken; als er sich auf kurze Zeit ent⸗
fernte, machte sich der „Geisediebel“ dies zunutze und ver—⸗
schwand, nachdem er das Tor von außen abgeschlossen hatte.
Als der Aufseher zurückkam, war der Vogel ausgeflogen. Es
            
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