Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

über trieben und wo sie sich aufhielten, darum bekümmerte
sich niemand; sie hatten nur die Verpflichtung, sich abends
im Gefängnis einzufinden. Wer nun einen Arbeiter für Haus—
und Gartenarbeit usw. brauchte, der ging in die Prison und
fragte an, ob er für so und viel Tage einen Monatsbauer,
wie man diese Leute nannte, haben könnte. Als ich in der
Lehre war, hatte ein Maurermeister von auswärts eine sechs—
wöchige Gefängnisstrafe hier abzusitzen. Er war mit meinem
Meister gut befreundet, der ihn gegen den üblichen Satz von
8 Silbergroschen als Arbeiter reklamierte. Er arbeitete jedoch
nicht, sondern trieb sich des Tags in der Stadt herum und
lebte herrlich und in Freuden. Nachmittags spielte er nach
dem Essen im „Café L. Lang“ — heute „Café Englert“ —
seine Partie Billard; dann ging er nach dem Kaffee in den
„halben Mond“ um Karten zu spielen. Von Zeit zu Zeit gab
er unseren Arbeitern ein Fäßchen Bier zum Besten. Unser
Stadtförster hatte durch Unvorsichtigkeit beim Scheibenschießen
einen Scheibenanzeiger erschossen. Obwohl unschuldig an dem
Vorfall, mußte er nach dem Gesetz mit einigen Monaten Ge—
fängnis bestraft werden. Der Waldschutz erlitt jedoch keine
Unterbrechung; denn der Förster wurde reklamiert und ver—
sah seinen Dienst des Tages über mit der Flinte auf dem
Rücken nach wie vor. Auch erinnere ich mich noch, daß ein
hiesiger Geschäftsmann, der einmal mehrere Monate ae
sitzen hatte, des Tages über in seinem Geschäft tätig war. Ob
ihn seine Frau oder sonst ein guter Freund reklamiert hatte,
weiß ich nicht. Ich selbst hatte mir noch ausgangs der sieben—
ziger und anfangs der achtziger Jahre mehrmals einen Mann
zu Gartenarbeiten und zum Holzkleinmachen von der Arrest—
hausverwaltung geben lassen.
Zu erwähnen ist hier noch eine damals aufregende mittel—
alterliche Straftat, das sogenannte „Schandpfahl stehen“,
welches heutzutage wohl nirgends mehr zur Anwendung
kommt. Der letzte Fall spielte sich in meiner frühesten Jugend
ab. Es wurde ein schwaches Männchen wegen Diebstahls
eines Bienenstocks öffentlich am Schandpfahl, der gelegentlich
eines größeren Markttages auf dem Schloßplatze vor dem da—
maligen Landgerichte — heutigen Kreishaus — aufgestellt
war, eine bestimmté Zeit lang mit einem Halseisen befestigt.
Großes Aufsehen erregte auch anfangs der fünfziger Jahre
die Gefangennahme des „Geisediebels“, wie der Betreffende ge—
nannt wurde. Den Namen hatte er davon, daß er einmal
eine Geiß gestohlen hatte. Er war ein ausgesprochener Wild—
dieb und hatte den Förster von Holz in der Oberförsterei
Fischbach, während dieser abends bei der Lampe im Zimmer
saß, von außen erschossen. Längere Zeit gelang es nicht, den
            
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